Broken Social Scene – Forgiveness Rock Record

Die gemeinsame Misch-Masch-Kollaboration aus Indie-All-Stars geht in die nächste Runde: Das Album hört auf den Namen ‚ Forgiveness Rock Record ‚ und gestaltet sich in gewohnt experimentierfreudiger Atmosphäre. Bereits nach dem eröffnenden Stück ‚ World Sick ‚ huschen die ersten Frühlingsgefühle durch uns hindurch, erhellen unsere Gedanken, machen unsere Sorgen vergessen und entfalten ein wärmendes Gefühl der Zufriedenheit. Lange musste man auf ein neues Broken Social Scene Album warten, wenngleich durch die vielen Soloprojekte der einzelnen Künstler, wie Keven Drew oder Brendan Canning, die Band nur als Gesamtkunstwerk die letzten vier Jahre eine Pause einlegte. Und trotzdem ist es wie eine Rückkehr, ein vertrauter Weg den man nie vergessen wird, wenn die Melodien auf ‚ Forgiveness Rock Record ‚ in unsere Gehörgänge eindringen. Auch wenn im Nachhinein diese Paue als Inaktivität seitens Broken Social Scene gesehen werden kann, so war diese Zeit eigentlich an Produktivität kaum zu überbieten. Something For All Of Us, die Band von Brendan Canning, lief unter dem Banner von BSS und macht die vier Jahre so zu einem Widerspruch. Aber das ist wohl die ganz normale Realität im byzantinischen Mythos der Broken Social Scene. ‚ Chase Scene ‚ ist eine zielstrebige Nummer mit Einsatz fordernder Trompeten und drückenden Synthesizern im Stil der 80er Jahre. Ganz anders gestaltet sich das folgende Stück ‚ Texico Bitches ‚ mit luftigen Gitarren, einer munteren Melodie und hüpfenden Rhythmen in charmanter Baroque-Pop Optik. ‚ Forced To Love ‚ bietet dagegen gewohnte Kost der sechs Herren und Kern des Albums, Kevin Drew, Andrew Whitman, Charles Spearin, Sam Goldberg, Brendan Canning und Justin Peroff. Mit dabei waren aber ebenfalls auch Feist, Amy Millan und Emily Haynes, neben Mitgliedern von The Sea And Cake und Tortoise. Darunter mischen sich dann selbstverständlich Mehrstimmigkeiten, unprätentiöse Herangehensarten und psychedelische Magie in epischen Machtwerken. Beruhigende Zuckungen durchfahren in regelmäßigen Abständen das resonante Stück ‚ All To All ‚ mit Sängerin Lisa Lobsinger. ‚ Romance The Grave ‚ macht dagegen deutlich wo Broken Social Scene derzeit verweilen: Vergangenheiten werden auf die Seite gelegt, Inspirationen übernehmen und die Idee wird als neue Möglichkeit der Erlösung gesehen. Eine Philosophie die ‚ Romance The Grave ‚ am Besten verdeutlicht. Ängstliche Verse von The Sea And Cake’s Sam Prekop werden auf himmlische Harmonien gegossen, entstehende Spannungen verwandeln sich in blühende Ekstasen und fröhlich betrunkene Hoedown-Nummern in ‚ Water In Hell ‚ beglücken rockende Gitarren Akkorde. Insgesamt bleibt ‚ Forgiveness Rock Record ‚ wieder eine Platte mit hoher Konsistenz, die nicht die Frage nach einem geeigneten Produzenten, oder wer auf welchem Song was spielen muss, in den Raum wirft- sondern durch Emotionen und Gefühle an ferne Ziele getragen wird.