Local Natives – Gorilla Manor

Der Albumname ‚ Gorilla Manor ‚, die Kritzeleien an der Hauswand und die davor stehenden Herren von Local Natives vermelden auf dem Artwork eigentlich das, womit später auf der Platte und insbesondere beim Eröffnungsstück ‚ Wide Eyes ‚, niemand so wirklich rechnen würde. Nämlich eine spürbare Zurückhaltung, nachdenkliche Melodien in breitgefächertem Ambiente und phantasievolle Klanglandschaften mit Flucht in hoffnungslosen Romanzen. Weiterhin überlagern sich diese Eigenschaften über das gesamte Album und besprühen im Einklang erfinderischer Trommeln die rückliegenden Wände mit schwarzer Farbe. „Mein Gott, wie zerbrechlich ist alles auf dieser Welt!“ schrieb am 20. Oktober 1682 Marie de Sévigné an den Präsidenten von Moulceau und konnte wohl kaum ahnen, wie recht Sie in diesen Zeiten damit noch haben sollte. Doch ist das kein Grund in sentimentale Gedanken zu verfallen, denn die sanfte Zerbrechlichkeit der Local Natives bewirkt wunderschön pompöse Oden an die verlorene Liebe in ‚ Airplanes ‚ und tanzbare wie luftige Riffs in ‚ Sun Hands ‚. Sie umschmeichelt lichtkranzartig unsere Aura, zeichnet ein kontrastreiches Farbspektrum und bleibt dabei vollkommen natürlich in Ihrer Herangehensweiße. ‚ Gorilla Manor ‚ fährt sich mit der einen Hand durch die Einflüsse und mit der Anderen hält Sie unsere Hand, führt uns durch die Geschichten des Sängers Taylor Rice und marschiert dabei pausenlos ohne Nachzudenken. Doch die Zeit um herumschwirrende Gedanken in Einklang zu bringen, gehört auf ‚ Gorilla Manor ‚ zu verschwenderischen Arbeiten die man lieber am Ende erledigen sollte. Davor gilt es die malerischen Landschaften zu genießen, die Geschichten bei Ihrer Entstehung zu beobachten, über die Einflüsse der Band Of Horses, Foals, O’Death, Pinback und Fleet Foxes zu steigen, dabei die blühende Eigenständigkeit zu bewundern und sich schlussendlich über flüchtige Minuten zu wundern, die optimistisch in scheinbarer Schwerelosigkeit an uns vorüberziehen. ‚ Camera Talk ‚ erinnert an eine aufgepumpte Version von Vampire Weekend und ein dominant rollendes Schlagzeug kläfft ungezügelt im Stück ‚ Warning Sign ‚. Die Local Natives können also bei genauerem Hinhören auch die gemütlichen Pfade für kleine Ausreißversuche verlassen. Doch bis zu diesem Zeitpunkt ist die endgültige Flucht schon lange keine ernstgemeinte Handlung mehr. Wir lassen uns bedingungslos führen, erfreuen uns dabei am rebellischen Treiben und dem befriedigenden Höhepunkt in ‚ Cards & Quarters ‚. Insgesamt ist ‚ Gorilla Manor ‚ eingängig, interessant, köstlich und durchaus in der Lage für große Hymnen zu sorgen. Und das von Anfang bis Ende. Ja natürlich ist derzeit diese Art von Musik in Mode, es öffnet viele Türen und erfährt schnell einen Schub, oftmals auch unter dem Namen Hype bekannt. Doch die Local Natives haben am Ende der zwölf Songs eindrucksvoll bewiesen, das Hilfe in dieser Form überhaupt nicht benötigt wird. Sie stehen aus eigener Kraft, erreicht durch Ehrgeiz, makellose Ausführungen, Individualität, Unbekümmertheit und Qualität.

8.4