Brigid Mae Power – Head Above The Water

Die früheren Veröffentlichungen von Brigid Mae Power wurden fast ausschließlich von ihrer Heimat bestimmt. Diese leise und doch hochfliegende Stimme, die in Galway geboren und aufgewachsen ist, sorgte dafür, dass diese Songs unbestreitbar keltische Stimmung ausstrahlten. „Head Above The Water“ verändert die Dinge massiv. Es wäre leicht, diesen offensichtlichen musikalischen Umbruch mit dem Umzug von Power’s Familie von Galway nach London gleichzusetzen, aber tatsächlich ist es eine andere Stadt, die dazu beigetragen hat, den Wandel in Gang zu bringen. Die breitere Musikpalette wurde im Glasgow’s The Green Door aufgenommen, einem analogen Studio (mit Alasdair Roberts als Co-Produzent neben Brigid und Broderick). Country, Jazz und sanfte Psychedelic ergänzen jetzt den typischen Sound von Power mit den Geistern von Fairport und Pentangle, die so manche Songs begleiten.

Das eröffnende Stück „On A City Night“ ist nickender Country (“City lights/Or country skies at night/Which do you prefer/He said to me with a smile/And eyes so pure”) und erinnert an die schwindelerregende Lebensfreude einiger der leichteren Momente von Bob Dylan und The Band’s „The Basement Tapes“. Was von früheren Alben übrig bleibt, ist die schlichte Schönheit von Power’s Stimme, die Teil einer Riege ist, zu der Anne Briggs, Linda Perhacs und Beth Orton gehören. Es ist eine warme, komfortable Kost für schwierige Zeiten, aber wenn man die arkanen Klavierballaden der früheren Veröffentlichungen von Power im Auge behält, ist diese hier von einer täuschenden Sanftheit umgeben. Die Texte verschmelzen poetisch und prosaisch, erzählen von vergangenen Gesprächen, erinnern an Orte, Reisen, kleine Momente, bis das Ganze ein steigendes Gewicht annimmt.

Melodien zeichnen sich durch eine bisher wenig gesehene Direktheit aus, behalten aber irgendwie ihre Zartheit bei. Es ähnelt der Transformation, die ihre Texte zuvor durchlaufen haben und diese Entwicklung setzt sich hier fort. Die Dinge haben sich geändert, aber zum Besseren? In dem Wunsch, zusammenzuarbeiten und zu kommunizieren, wurde ein Teil dieses frühen experimentellen Improvisationsgefühls etwas abgeschwächt und das ist eine Schande. Wir sehnen uns nach dem hypnotischen Aufschwung, wie in „It’s Clearing Now“, oder nach der verträumten Schönheit des Titeltracks ihres vorherigen Albums. Dies ist jedoch nur ein Nebenprodukt der Tatsache, dass Power in nur drei Alben bereits so viel versucht hat und jetzt offensichtlich so wenig Angst hat. Wohin geht sie als nächstes? Der Kopf ist über dem Wasser. Die Reise geht weiter.