Blood Cultures – LUNO

LUNO unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von früheren Projekten. Da sich BLOOD CULTURES mehr auf die Dunkelheit konzentriert, die sich aus der Selbstakzeptanz ergibt, gibt es in dem Projekt eine positivere Unterströmung als auf den letzten Alben.

„What the world needs right now is not an anonymous artist“, erklärt Blood Cultures. „It needs more black and brown voices being heard.“ Die Pandemien im Gesundheitsbereich und die aktuellen Systeme im letzten Jahr waren für viele ein Katalysator, um Veränderungen zu starten, eine Gelegenheit, um sicherzustellen, dass die eigene Stimme gehört wird. Blood Cultures schließen sich dieser Bewegung an und teilen ihre bisher persönlichsten Geschichten über die toxische Männlichkeit ihres pakistanischen Hintergrunds und die daraus resultierende Ignoranz – alles mit einem unvergleichlichen klanglichen Flair. Eindringliche Elektronik mit glühender Intensität liegt hier neben himmlischen Melodien, die mit unvergleichlicher Schönheit bezaubern. Es ist eine Dichotomie, die nur sie produzieren können, und sie machen es gut.

Das nur acht Songs umfassende Album ist mit seinem experimentellen Stil und seinen vielschichtigen, glitzernden und kreisenden Beats eine künstlerische Errungenschaft. Es fühlt sich an, als ob die Songs unter starker Nutzung der Kopier- und Einfügefunktionen ihres Resonanzbodens komponiert wurden. Vier der acht Tracks des Albums wurden vor der Veröffentlichung uraufgeführt, der erste war „Keeps Bringing Me Back“ im Januar und das unheimliche „When the Night Calls…“ Ende des letzten Monats, jeweils mit bezaubernden Musikvideos voller monochromatischer Farben und seltsamer Handlungsstränge. Obwohl „Keeps Bringing Me Back“ nicht vielen Konventionen des Songwritings und der Struktur folgt, ist es in der Lage, den Hörer mit einem sich wiederholenden Beat zu fesseln, der über Texte an- und wieder abschwillt.

Ein wiederkehrendes Thema auf „LUNO“ ist der Mond, der im letzten Track „Beneath the Moon & Me“ seinen Höhepunkt findet. Dieser Song ist ein absoluter Trip, ruckelt von industriellen Kreischen zu einer beruhigenden Melodie. Die Instrumentierung dieses Songs ist so vielschichtig, so zerklüftet, dass man diese mehrere Male anhören muss, um das Gehörte aufzunehmen. Dann – ein sanftes Outro, bei dem Blood Cultures singen, dass wir „look where you don’t want to, it’s there that you will find, the answers you won’t hope for, but need, to change your mind.“ Wenn man an „LUNO“ etwas erkennen kann, dann ist es, dass Blood Cultures immer noch Meister ihres Fachs sind. Ob ruhiger und inspirierter Indie Pop oder durchdringende experimentelle Klanglandschaften – Blood Cultures sind in Ihrer Entwicklung sowohl in Größe als auch Erhabenheit unübertroffen.

8.9