BLAWAN SickElixir
Zwischen Maschinen, Verlust und Verwandlung entfaltet BLAWAN auf SICKELIXIR ein kompromissloses Klanglabor aus Schmerz, Aggression und verzerrter Schönheit das technoide Grenzerfahrungen zu einem düsteren Selbstporträt verschmilzt.
Jamie Roberts alias Blawan hat sich auf „SickElixir“ endgültig von den engen Räumen des Clubtechnos gelöst. Der britische Produzent, der einst auf einer Madenfarm in South Yorkshire arbeitete und den Lärm der industriellen Maschinen zu seinem prägenden Soundarchiv machte, verwandelt diese frühen Eindrücke nun in etwas zutiefst Menschliches. Ausgerechnet inmitten digitaler Kälte entsteht Wärme. Aus kontrollierter Gewalt wächst so etwas wie Erlösung. Die vierzehn Stücke dieses Albums, entstanden zwischen Berlin, Leeds, Paris und Lissabon, wirken wie Fieberträume aus Metall und Fleisch, verschachtelt, halluzinatorisch, intensiv.
„The GL Lights“ eröffnet das Werk mit einem grollenden Bass, der an den Herzschlag einer Maschine erinnert. Stimmen zischen aus dem Nichts, halb Gebet, halb Störung. „Weirdos United“ treibt diesen Zustand ins Absurde: zerhackte Phrasen, die an kaputte Lautsprecher erinnern, schlagen Funken im Rhythmus eines außer Kontrolle geratenen Taktgebers. Auf „Rabbit Hole“ tritt Monstera Black hinzu und öffnet einen Riss ins Album: Ihr flirrendes Timbre wirkt wie ein Rest von Menschlichkeit, der gegen die übersteuerte Welt ankämpft. Blawan lässt seine Stimme nicht singen, sondern verschmelzen.
Sie mutiert zum perkussiven Organ, mal brüllend, mal röchelnd, immer unruhig. Tracks wie „Casch“ und „WTF“ kippen zwischen metallischem Hip-Hop und industriellem Ambient. Das Material zersetzt sich, bleibt aber in sich logisch. Jeder Übergang scheint präzise berechnet und gleichzeitig gefährlich fragil. Das Cover – eine dichte, fast klaustrophobische Komposition aus farbgetränkten Tauben – übersetzt diese Dualität visuell: organische Wesen, die in künstlicher Pigmentexplosion gefangen sind. Wie die Musik oszilliert das Bild zwischen Leben und toxischer Schönheit.
„Don’t Worry We Happy“ und das titelgebende „SickElixir“ treiben uns schließlich in einen Taumel aus überdrehtem Glanz und düsterer Katharsis. Ein Album, das die Euphorie der Zerstörung kennt und sie in etwas Seltenes verwandelt: ehrliche, kompromisslose Transformation.
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