black midi – Cavalcade

Auf CAVALCADE klingen Geordie Greep, Cameron Picton und Morgan Simpson von BLACK MIDI wie eine ganz andere Band. Die wilden und freien Improvisationen ihres Debüts Schlagenheim wurden durch herrliche Melodien und herzliche Texte ersetzt.

Wie bei jedem Album von black midi gibt es auch beim neuen Werk „Cavalcade“ den fundierten Rat, einige Zeit damit zu verbringen. Jedes Hören erschließt eine neue Ebene, sowohl musikalisch als auch in der Erzählung des Albums von einer dunklen Prozession. Wo Ebenen auftauchen, gibt es Drama. Es gibt nichts an dem Album, das untertrieben ist, daher dauert es einige Zeit, bis seine Nuancen und Feinheiten wirken. Als Matt Kwasniewski-Kelvin sich von der Tour nach Schlagenheim entfernte, um sich auf seine geistige Gesundheit zu konzentrieren, musste ein Loch gefüllt werden. Also, wie ersetzt man einen quecksilbernen Gitarristen? Natürlich mit einem Saxophonist. Kaidi Akinnibi schloss sich dem Live-Setup an, zusammen mit Seth Evans an den Keyboards. Diese Gruppe hat so gut funktioniert, dass gemeinsam im Studio neue Songs aufgenommen wurden.

Das eröffnende Stück „John L“ klingt wie eine härtere und aggressivere Version von etwas aus „Schlagenheim“. Es tritt einem in die Eier und verspottet uns. Kurz gesagt, es ist fantastisch. Und so werden in den folgenden Tracks instrumentale Kolben abgefeuert, die, obwohl diese für unsere Ohren unberechenbar klingen, alle auf die Millisekunde genau berechnet wurden. Das ist hohe Handwerkskunst. black midi sind eine starke Einheit auf „Cavalcade“. Die Londoner konsumieren jeden Moment mit Innovation und einem rastlosen Ehrgeiz. Greep bringt seine Stimme an die Grenzen, nicht durch unregelmäßiges Kreischen oder konzentriertes Geplapper wie auf „Schlagenheim“, sondern schöpft Kraft aus einem Jenseits, um Moragan Simpson’s makelloses Schlagzeugspiel zu ergänzen.

„Cavalcade“ ist der Beweis dafür, dass es in der gitarrenbasierten Musik immer noch Leben gibt, solange aufstrebende Köpfe kreative Wege finden, sie zu adaptieren. Diese Gruppe junger Musiker hat irgendwie alles, was Rockmusik über Jahrzehnte spannend machte, eingefangen und zu diesem glorreichen Genre-Zusammenschluss verarbeitet. Auf diese Weise schmieden black midi ihre eigene Marke von Avantgarde Punk, die in ihrer Mission kompliziert und höchste Aufmerksamkeit erfordert. „Cavalcade“ ist ein Album der Extreme, das zwischen fauler Zauberei und einem kantigen Prog-Rock-Albtraum schwankt.

9.4