Plague Vendor – Free To Eat

Ich hab keine Ahnung wie oft die Songs in den letzten Tagen durch meine Gehörgänge gerattert sind, aber irgendwie klangen die einzelnen Tracks dann doch irgendwann ein wenig verwaschen. Es schien als hallten immer mehr verlorene Songfetzen aus den vorausgegangenen Durchläufen nach und vermischten sich wieder mit hinzukommenden. Ein buntes Wirrwarr wurde geboren und als Lösung schien mir letztlich nur eines hilfreich zu sein: Man nehme einen Rohrkrepierer – lass es ‚ Wrecking Ball ‚ von Miley Cyrus sein und diesen anschließend einfach die volle Spielzeit durchlaufen lassen. Tatsache: es gibt keine schnellere Hilfe gegen ungewollte Abnutzungserscheinungen, als sich den schlechtesten Song seiner persönlichen Wahl zu schnappen und sich damit einmal gründlich die Ohren zu putzen. Ja das Debüt ‚ Free To Eat ‚ der jungen aufstrebenden Indie-Post-Punk Band Plague Vendor ist ein wahres Rock-Feuerwerk voller eigenwilliger Kreationen – versehen mit einem weit überhöhten Suchtpotential Plague Vendor lassen es krachen, scheppern, poltern, laufen und klopfen von allen Seiten – nicht gegen die Schädeldecke – sondern direkt von dort drinnen auf alles, was sich irgendwie verformen oder zerstören lässt. Und diese zerstörerische Wut wird von den vier Herrschaften in 10 x 2 Minuten in den Äther geprügelt. Diese Schwingungen hallen wahrlich lange nach. Brandon Blaine (Gesang), Michael Perez (bass), Luke Perine (Schlagzeug) und Jay Rogers (Gitarre) kreieren hier etwas, dass nur auf einem Debütwerk zu finden ist. Ihre Anhängerschaft bei Haus-Partys, Club-Gigs und Lagerhaus-Shows aufgesammelt, brüten Plague Vendor seitdem über aggressiven Trash, melodische Punk-Rock Hymnen und unkonventionellen Songwriting. Es wird nach Lust und Laune am Tempo geschraubt bis die einzelnen Takte schlussendlich taumelnd zu Boden gehen. Aber dann ist der Track sowieso schon am Ende und weil auf dem Debüt auch keine Zeit für Rückblicke herrscht, wird man als Hörer gnadenlos weiter durch die zehn Songs getrieben und überhaupt dürfte man während dem ersten Durchlauf nur wenig von der eigentlichen Genialität der Songs mitbekommen. Man ist einfach zu sehr damit beschäftigt den Anschluss an diese wahnsinnige Geschwindigkeit zu halten, die einbrechenden Melodien irgendwie zwischen die Finger zu bekommen. Aber letztlich reichen wohl schon die ersten 2:37 Minuten aus dem eröffnenden Stück ‚ Black Sap Scriptures ‚ aus, um mit letzter Kraft die weiße Fahne zu schwingen. Denn ‚ Cursed Love, Hexed Lust ‚ ist dann schon eines dieser wahnwitzigen Taktbrecher, die ohne Punkt und Komma über die Nervenstränge sausen und einem die Tränen nur so durch die Augen treiben. Ähnlich verhält sich ‚ My Tongue Is So Treacherous ‚ als viertes Stück, dass in 3:36 Minuten zu einer Fix-und-Fertig-Version des hellen Wahnsinns mutiert. Jay Rogers an der Gitarre – man braucht sich nicht wundern – wird übrigens noch öfters im weiteren Verlauf sein ganz eigenes Ding durchziehen. Er bestimmt die Richtung, die anderen Folgen, nur Brandon Blaine hält dagegen und manchmal scheint es nur eine Frage der Zeit, bis diese überheblich-aggressive Attitude der beiden Protagonisten, dieser blutige Testosteron-Rausch auf die alleinige Herrschaft, wie ein schiefes Kartenhaus mit lauten Getöße in sich zusammenfällt. Aber wie bei jedem Track auf dem Debüt: Es bricht rein gar nichts auseinander. Ein Track wie ‚ Number ‚ ist die Lässigkeit in Person, dass gleichnamige Titelstück brutzelt uns im linken Ohr die Riffs von Rogers knusprig schwarz, der Bass im rechten Ohr kugelt sich wie ein vollgefressener Seelöwe durch die viel zu engen Gänge, irgendwie dazwischen weit hinten das Schlagzeug und omnipräsent an allen Ecken vertreten: Brandon Blaine. Ja man denke da an Iggy & The Stooges, an einen jungen Nick Cave oder an die frühen The Hives. Es ist einfach nur alles noch wilder und ungestümer. ‚ Seek the Ruby Scarab ‚ ist in seinen 1:05 Minuten die gepfefferte Überdosis Koffeintablette für die Nacht bis zum Morgen. Es ist einfach gigantisch, wie vollgestopft die Melodien sind, wie rastlos, besessen von sich selbst und rasend in Ihrer Bestimmung den vorher gegangenen Track nochmals in allem überbieten zu müssen. ‚ Free To Eat ‚ gehört schon jetzt in die Top 3 der Alben des Jahres 2014. Und dafür hat es gerade einmal eine Gesamtlänge von 17:51 Minuten benötigt.