Beep Beep – Enchanted Island

Und die Band aus Omaha, Nebraska erstrahlt wieder einmal mit Ihrem herrlichen Sound die verzauberten Inseln. Fast schon eine grundlegende Erwartungshaltung lässt sich im Inneren versprühen, doch was sollte man nach dem großartigen Debüt auch anders erwarten. ‚ Business Casual ‚ hatte zwar fünf Jahre zuvor seine kleinen Schwächen, doch wurden diese eindrucksvoll und in bombastischer Atmosphäre spielerisch übermalt. Diesmal lässt sich die Platte am Besten mit einem phantasmagorischen Acid-Trip gleichsetzen. Doch wer ist eigentlich Beep Beep und wer steckt hinter dem Projekt? Hier muss man zurück ins Jahr 2001, als Eric Bemberger und Chris Hughes beschlossen, gemeinsam etwas Neues in die Welt zu projizieren. Namen die nun nicht jedem etwas sagen werden. Erleuchtung wird allerdings Saddle Creek Records in die Sache bringen, beziehungsweise dessen Gründer Conor Oberst der für beide Platten als Produzent tatkräftig zur Seite stand. Doch muss auch gesagt werden, diese Information galt nur als kleine Randnotiz. Wer sich generell nur duch bekannte Namen oder durch Größen der Musiklandschaft überzeugen lässt, sollte an dieser Stelle aufhören zu lesen. Denn was hier deutlich werden soll: Ein Album wie ‚ Enchanted Islands ‚ – davon gibt es nur sehr wenige auf diesem Planeten. Es ist in ständiger Bewegung, die Veränderungen wälzen durch die Strukturen wie ein gigantischer Erdrutsch, verbünden sich mit unvorhersehbaren Angriffen und machen es damit fast unmöglich, jemals an Übernützung ein sichtbares Ende zu finden. ‚ Enchanted Island ‚ verbindet schizophrene Sammlungen von Songs und Song-Fragmenten, vermischt sich einerseits mit seinen Verbündeten und bleibt dennoch in der Konstruktion zusammenhangslos. Ein Beispiel hierfür ist ‚ The Whispering Waves ‚ mit der richtigen Kombination aus Zwietracht, melodiösen Zwischenspielen und einer grundlegenden Musikalität, das in der gebrochenen Falsett-Gesang genau den richtige Lockstoff gefunden hat. Es fordert vom Hörer eine gewisse Eingewöhnungszeit, da es auf den ersten Blick Undurchsichtig und chaotisch wirken kann, aber mit ein bisschen Konzentration wird dieses Problem schnell gelöst sein. Natürlich stöhnt der Ein oder Andere nun gedanklich auf, schließlich ist das Jahr 2009 weit fortgeschritten und die Ohren werden langsam müde. Aber ‚ Enchanted Island ‚ entwickelt sich im späteren Verlauf durchwegs zu einem harten und kompetenten Werk, das die Muskeln spielen lässt und uns mit peristaltischen Schub durch treibende Rhythmen jagt. Ich darf versichern, diese Neuauflage als Doppel CD ist jeden Cent wert. Auch diesmal werden kleine Schönheitsdefizite professionell retuschiert und ja, selbst die nicht unerheblichen Veränderungen im Lineup behalten Ihren musikalischen Sinn aus den frühen Anfangstagen. In ‚ Enchanted Islands ‚ gibt es keine Zeit für Herumgefummel. Einsteigen – Aussteigen, Progressiv und gefährlich wandeln Beep Beep schamlos auf den Gleisen der Superlative. Hören. Denken. Lächeln. Träume verwirklichen. Wie das alles gleichzeitig auf der zweiten Platte funktionieren kann? Probiert es aus.