Blood Orange – Angel’s Pulse

Es gab eine Zeit, in der ein Mixtape klar im Gegensatz zu einem tatsächlichen Album definiert war. Es war eine kostenlose Zwischenveröffentlichung, die es dem Künstler – normalerweise aus den Bereichen HipHop und R&B – ermöglichte, kreativ zu bleiben, ohne sich übermäßig Gedanken über den Erfolg dieser Veröffentlichung machen zu müssen. Aber diese Definition ist vor einiger Zeit beerdigt worden. Heutzutage basieren ganze Karrieren, einschließlich der von Chance the Rapper, darauf, nur Mixtapes zu veröffentlichen Ein Mixtape kann heute also alles oder gar nichts sein, was auch immer der Künstler möchte. Und damit wären wir bei Dev Hynes, AKA Blood Orange, der uns dieser Tage mit dem Mixtape „Angel’s Pulse“ beglückte und damit einen Nachtrag zur regulären Albumveröffentlichung „Negro Swan“ aus dem letzten Jahr liefert. 

 

Es ist ein Sammelalbum mit Ideen, das nach der Veröffentlichung eines Albums aufgenommen wurde, das sich anfangs wie ein Sammelalbum mit Ideen anhörte. Hynes erklärt: „My new record is called “Angel’s Pulse” & I performed, produced and mixed the entire thing myself. I’m calling it a mixtape“. Das letzte Album war eine Ansammlung von leicht skizzierten Konzepten, Tonausbrüchen und abstraktem Ambiente. Es schwankte unsicher entlang der Linie, die eine bewundernswert unruhige Artistik von einer abstoßenden Unschärfe trennte. Ähnlich verhält sich auch der Nachtrag und Differenzen lassen sich daher eigentlich nur im Aufgebot der reduzierten Star-Power feststellen, wie auch in der zurückgenommenen politischen Aussagekraft. 

Trotzdem, oder vielleicht auch gerade deswegen, sind die ersten vier Tracks und „Take It Back“ seine bisher stärksten. Es ist ein erfreulicher Nachfolger der Bemühungen des letzten Jahres. Hynes sitzt eindeutig auf vielen guten Sachen, die wir hoffentlich bald in einem neuen Studioalbum zu hören bekommen.