Auletta – Pöbelei & Poesie

Anfang der Nulljahre, bevor die Arctic Monkeys oder Enter Shikari via MySpace und YouTube die Karriereleite hochstiegen, tobten am Rheinufer Auletta in zarten Jugendjahren die kleinen Clubs und Kneipen. „Mainz bleibt Mainz, aber die Welt gehört uns!“ hieß es da und trotz zahlreicher Fans gönnte sich das Quartett erstmal eine längere Auszeit. Sie gingen ins Ausland, nach England, kamen zurück und siehe da: die Auletta Songs erstrahlten auf einmal in neuen Klangfarben, man hatte sich also reichlich aus der Londoner Musikszene bedient. Die Riffs, der Rhythmus, der Style, alles was sich mitnehmen ließ, wurde eingepackt und mit nach Hause genommen. Das daraus zwar etwas neues entstehen würde war nicht schwer zu erraten, doch besser sollte es nicht werden.

Selbst die sogenannte Straßenpoesie ist nur eine gut gemeinte Beilage zu mangelhaften Kopien aus der Musikmetropole London. Natürlich wird jede deutsche Indie Band mit schrammelnden Gitarren und eingängigen Refrains an englischen Größen wie den Libertines, Franz Ferdinand oder auch den Futureheads gemessen und die Unterstellung, nur ein deutsches Abbild zu produzieren, liegt schnell auf der Hand. Für uns Deutsche ist diese Art von Musik, wie es nun Auletta mit ‚ Pöbelei & Poesie ‚ zelebrieren, fremdartig und manchmal auch unzugänglich. Zu sehr hat man sich an die wöchentliche Flut neuer englischer Bands gewöhnt, um auch mal im eigenen Land nach Alternativen zu forschen. Bequem war der Mensch schon immer und speziell bei uns Deutschen gesellt sich noch eine hüftsteife Haltung gegenüber neuer Ideen aus eigener Produktion hinzu.

In diesem Fall sind es Auletta, die tanzbare Indie-Kracher ins Deutsche konvertieren und dafür nicht überall lobende Worte finden. So schön manches auf ‚ Pöbelei & Poesie ‚ auch klingen mag, so schnell nutzen sich viele der zwölf Songs bereits nach dem dritten Durchlauf komplett ab. ‚ Ein Engel, kein König ‚ wurde förmlich dafür gezüchtet, müsste man auf diesem Song zwei Schritte gehen, es würde böse enden, so glatt poliert ist die Oberfläche und die gesamte Produktion das damit das wichtigste Merkmal englischer Musikkunst vollkommen abgeschliffen wurde: Das Überraschende und das Unvorhersehbare. Zwei Eigenschaften ohne die es schnell langweilig werden kann. Deshalb, wenn schon Kopieren, dann richtig.

Einzig bei Stücken wie ‚ Roboter ‚ und ‚ Meine Stadt ‚ entschwinden Auletta mal schnell nach hinten und kramen Ihr verstecktes Talent hervor. Zumindest diese Tatsache ist alleine schon Überraschung genug und vervollständigt mit unverhofft spannenden Einlagen in ‚ Blaue Blume ‚ und ‚ Heimatmelodie ‚ zumindest interessante Ansätze einer Band, die als persönliches Ziel Ihre Musik ganz groß rausbringen will. Ob Ihnen das gelingen wird bleibt abzuwarten, zumindest stimmt die Mischung dafür. Ein wenig Indie, etwas Mainstream, wärmende Gefühlseinlagen, ein kratziger Gesang von Alexander Zwick und natürlich tanzbare Hooks in Hülle und Fülle.