Ty Segall – Lemons

Wie wir es prophezeit hatten: Ty Segall kehren nach nicht einmal sechs Monaten zurück an die zerfahrene Oberfläche des Lo-Fi Sounds, oder wie auch immer man es nennen möchte: Psych, Garage, Punk oder eben Lo-Fi. Trotz dieser dummen Etiketten ziehen manche eben Ihre ganz persönlichen Kriege gegen alles, was sich dort so in den Weg stellen mag. Doch was hat sich eigentlich in den letzten Tagen gegenüber dem Debüt verändert? Eigentlich nicht viel. Sie machen genau dort weiter, wo mit ‚ An III Jest ‚ die letzten Takte gefallen sind. Beherzt und mit eingängigen Melodien geleiten uns die Amerikaner in den Opener ‚ It#1 ‚ – und genau so ist es. Der erste Track von 12. Wieder werden in kürzester Zeit die Songs durch den Fleischwolf gedreht. Die Glocke ertönt, die  zweite Runde beginnt. Es folgen großartige Kämpfe und im Gegensatz zum gleichnamigen Debüt, wurden die Songs mit einer kompletten Band im Hintergrund geschrieben. Die Stücke spiegeln dies auch zu einem bestimmten Punkt in unseren Köpfen wieder.

Doch was wäre Richtig gewesen? Wahrscheinlich das Beste aus den beiden Platten in einer zu bündeln. Damit hätte Ty Segall Aufmerksamkeit erregt. Wenn sich wüst und unheilvoll die Gitarren durch die kargen Landschaften von ‚ Cents ‚ wälzen, oder der Sixties Rockabilly Kracher ‚ Can’t Talk ‚ ungestühm seine viszerale Energie bündelt. Leider ist das Problem auch weiterhin ein bekanntes: Das Füllmaterial. Fast schon gänzlich ohne Melodie müht sich ‚ Untitled #2 ‚ krampfhaft durch knappe drei Minuten. Nun gut, zum Ende verspricht es zumindest ein bisschen Besserung. Doch hier ist bereits jede Hilfe zu spät. Besinnlich und mit dem leichten nostalgischen Hauch des Kurt Cobain´s versucht sich eine Nummer später das überflüssige ‚ Rusted Dust ‚ zurück auf den Thron zu kämpfen. Vergebens. ‚ Die Tonight ‚ versucht es nun auf den umkehrten Weg mit der Gegenteiltaktik. Wenn es langsam und leise nicht funktioniert, dann eben mit bombastischen Raumklang und füllenden Instrumten. Nein? Immer noch nicht komplett überzeugt worden?

Dann hilft alles nichts mehr. Nur noch eine Option steht alleine und völlig teilnahmslos im Raum: Das verdammt effektive, anheizende und verrückte ‚ Johnny ‚, das schon nach den ersten Sekunden aus allen Nähten zu platzen droht. Na endlich! Hier wackelt die Bude, hier fliegen die Tassen reihenweise aus den Regaln, die Nachbarn werden Sturm läuten, die Polizei wird anrauschen, doch was interessieren uns diese Nebensächlichkeiten? Hier sprengen uns die Riffs von ‚ Johnny ‚ gerade die Trommelfelle meterweit durch die eigenen Räume, lassen sie an der nächsten Wand in tausend Einzelteile zerschellen und werden damit für alle Ewigkeit unauffindbar bleiben. Aber verdammt, das war es allemal wert! Wieso nicht mehr davon? Ty Segall können natürlich auch mit der ruhigen Seite punkten, doch wieso um alles in der Welt ist es nur eine Nummer, nur eine gottverdammte Nummer die einen in die Besinnungslosigkeit stürzen lässt? Der Kalifornier hätte in diesem Punkt einiges mehr auf dem Kasten, als eine einzige Nummer. Nun gut, wir müssen damit leben und der abschließende Track ‚ Like You ‚ beruhigt zumindest unaufdringlich die aufgebrachte Meute. Die Feier ist zu Ende. Zugegeben, ein bisschen zu plötzlich. Doch dafür bleibt mehr Zeit zum Aufräumen. Zwar ein schwacher Trost, aber immerhin besser als nichts, oder?

7.4