Amy Millan – Masters Of The Burial

Beginnen wir mit einer kleinen Aufzählung: Jenny Lewis, Isobel Campbell, Norah Jones und Michelle Branch. Das sind Namen von Künstlerinnen, die seit geraumer Zeit in etwa die selbe Musik fabrizieren. Eigentlich könnte man nun meinen, das müsste reichen. Der Markt und insbesondere die Menschen hätten genug Auswahl und bräuchten damit nicht noch eine dieser Sängerinnen, die Ihre gesamten Emotionen und tragischen Gefühle in die Welt hinaus tragen müssen. Aber wie so oft, der Irrglaube bestimmt auch in diesem Fall unser Denken. Denn richtig ist nur das, was die Plattenfirmen vorgeben und was schlussendlich als CD in den Läden steht. Und so reiht sich neben den sauber produzierten Kopien eine weitere ein: Amy Millan, die kanadische Sängerin, Songwriterin und Mitglied in den Bands Star und Broken Social Scene. Ihr Debüt erschien bereits 2006 mit ‚ Honey From The Tombs ‚ und hat nun die Zeit gefunden, das für manche überflüssige Zweitlingswerk ‚ Masters Of The Burial einzuspielen. Offensichtlichstes Merkmal auf ‚ Masters Of The Burial ‚ ist auch drei Jahre später das herumschwirrende Geklimper für erbrichtes Landvolk auf kanadischem Boden. Zumindest wird im späteren Verlauf eine kleine Auflockerung sichtbar, die Vorhänge werden ein Stück zurückgezogen und negativ beeinflusst worden wäre jener, der die unglaublich warme Stimme von Amy Millan, sowie die einfachen aber wirkungsvollen Melodien vergessen würde. So runzeln die Stücke zwar auch weiterhin auf sehr niedriger Temperatur dahin, doch bleibt zumindest die Grundlage nie langweilig und sorgt für ausreichend Serotonin Nachschub. Natürlich entstand ‚ Masters Of The Burial ‚ nicht im Alleingang und hatte dementsprechend Hilfe von einigen Bandkollegen von den Stars inklusive Torquil Campbell. Trotzdem bleibt eine stummgeschaltete Qualität das Hauptmerkmal und surrt um unsere Köpfe wie eine Form des kognitiven Gespenstes, das ab und zu das tiefe Gefühl der Traurigkeit in uns hervorruft. Und wie bereits erwähnt, erweist sich Millan als ungeheuer geschickt im Songwriting und bringt damit Ihre Texte ungewöhnlich nahe an die Zuhörer. Auch gehören damit die unheimlichen Vorschauen von dem, was das Album als Ganzes behandelt, sowie viel weniger Verwirrungen entgültig der Geschichte an. Die Stücke zeichnen eine klare Linie und bieten Ausblick auf bevorstehende Emotionen, sowie es im Titeltrack recht gut zu hören ist: „Hold it up/you’ve lost enough/ you’ve still got your luck/ you’re miles away/ from the love you’ve made/ heaven gets rough“. Doch so sehr die emotionale Offenheit auch manche unter uns verzücken mag, die allgemeinen Mitteilungen bleiben dabei etwas im Dunklen und hinterlassen mit ‚ Masters Of The Burial ‚ eine befreiende Ehrlichkeit, die leider im Gegenzug den Tiefgang und die kreativen Melodien vermissen lassen.