Alan Vega – Mutator

Ein Album, das ALAN VEGA von Suicide auf seinem kreativen Höhepunkt Mitte der neunziger Jahre aufgenommen hat, erblickt nun endlich das Licht der Welt.

Niemand war besser in der Lage, instinktiv zu dokumentieren, wo sich New York Mitte der neunziger Jahre befand, als (der im Jahr 2016 durch Selbstmord verstorbene) Suicide Frontmann Alan Vega. In Downtown Manhattan sickerte buchstäblich aus jeder Pore nicht identifizierbarer Schleim auf dem Bürgersteig, seit Suicide in den 1970er Jahren auftauchten. Nur Lou Reed konnte es mit Vega’s Fähigkeit aufnehmen, die Essenz dessen zu destillieren, wie es war, (meistens) in NYC zu leben. „Mutator“ war eines der vielen Alben, die Vega zu dieser Zeit aufgenommen hatte. Es war ein komplettes Set, das nie fertiggestellt wurde. Von Jared Artaud von The Vacant Lots und Vega’s Partnerin Liz Lamere abgestaubt, strotzt „Mutator“ vor einer verlockenden – wenn auch gedämpften – dunklen Energie. 

Bei dem herausragenden „Fist“ hält Vega eine typisch säurehaltige Predigt über einen unerschütterlich pochenden industriellen Drumcomputer, „Musles“ hat eine Spärlichkeit und Zerbrechlichkeit, die durch Vega’s unvorhersehbare Poesie ausgeglichen wird, und „Nike Soldier“ hat eine bedrohliche Kante, die von hartnäckiger, kratzender Elektronik durchbohrt wird. Es ist unheimlich und bedrohlich in einer Weise, wie es seine beste Musik ist, und es erinnert eindeutig an die Art von urbanem Horror, in den Vega sich sein ganzes Leben lang vertieft hat.

Auf den acht Tracks ist das, was den größten Eindruck hinterlässt, jedoch Vega’s ungehinderte Gesangsleistung. Der Opener „Trinity“ ist eine eindringliche, zutiefst düstere Anrufung und sorgt trotz seiner relativen Kürze (76 Sekunden) für eine kraftvolle Eröffnung. Zum größten Teil gibt es hier eine gewisse betäubte Distanz, während Vega über Straßenleben, Nachtleben, Dreck, Verbrechen, überbordenden Reichtum, Ungleichheit und Turnschuhe nachdenkt. Vega’s Visionen sind in den Post-Indie-Dekonstruktionen von 2021 wieder auferstanden und „Mutator“ könnte bei Fans seiner entfernten Nachkommen wie Squid, Perfume Genius, Sleaford Mods und Black Midi Anklang finden.

6.8