Kadavar – For The Dead Travel Fast

Wenn man es anfänglich nicht bereits vernommen hat, würde die zu vermutende Herkunft der drei Herrschaften von Kadavar sicherlich nicht auf Deutschland fallen. Kadavar kommen aus Berlin und bleiben auch mit „For The Dead Travel Fast“ ihrem Zyklus treu, regelmäßig alle zwei Jahre eine neue Platte zu veröffentlichen. Aus den Gewölben von Dracula’s Burg stammt „For The Dead Travel Fast“ der Doom-Rock-Band Kadavar, die Gothik der 70er Jahre wieder zum Leben erwecken. Nachdem Kadavar die Bühne mit Ikonen wie Ozzy Osbourne und den Scorpions teilen durften, verkörpert ihr Vintage-Sounds entsprechend auch eine Huldigung an diese Legenden und greift dabei auf Bilder zurück, die aus dem Dunkeln und Okkulten stammen. Musikalisch fuzzt und groovt es wieder, dass es eine wahre Freude ist.

„For The Dead Travel Fast“ verführt uns mit vibrierenden Riffs, die Passagen des trägen Untergangs einläuten. Es besteht kein Zweifel, dass Kadavar ihren eigenen Stil entwickelt haben. Die tiefen, rhythmischen Gitarren bilden einen zuverlässigen Herzschlag mit schwingenden Trommeln, die der unerschütterliche Christoph Bartelt liefert. Die Wiederholung ihres Kernsounds nimmt auf jedem Track des Albums viel Zeit in Anspruch und löst sich von dieser Formel nur in kurzen, abwechslungsreichen Ausbrüchen energetischer Gitarren. Weniger chaotisch und direkter als in „Rough Times“ aus dem Jahr 2017, beginnen Kadavar buchstäblich am Ende. In zwei Minuten des ersten Titels „The End“ hören wir das Geheul des stillen Windes, düstere Gitarrenrollen und einen dröhnenden Gesang von Christoph Lindemann. 

Trotzdem kann der Song in dieser Zeit die Stimmung des Albums hervorragend vermitteln und verwandelt sich nahtlos in den nächsten „The Devil’s Master“. Hier entfaltet sich die Band voll und ganz: Die lauten Trommeln mit dem übersteuerten Bass von Simon Bouteloup sorgen für eine starke Rhythmussektion. Das folgende „Evil Forces“ glänzt mit raffinierten Riffs einer erneut hämmernden Rhythmussektion und lässt gemeinsam mit der falsettierten Stimme Lindemann’s die Toten aus dem Grab zum gemeinsamen Headbangen auferstehen. Natürlich könnte man kurz und schmerzlos auch sagen, dass diese Songs altmodisch klingen, aber was bleibt sind letztlich herausragende Tracks und ein Album, dass nichts für schwache Nerven ist. 

Passagen mit dicken, matschigen Gitarren dominieren Tracks wie „Poison“ und sind eine unvergessliche Erinnerung daran, dass Kadavar sich von Quellen wie dem deutschen Gothic-Poeten Gottfried August Bürger haben inspirieren lassen. Nicht alles überzeugt auf dem neuen Album von Kadavar, doch insgesamt ist es eine Platte mit höllischer Heiterkeit, die mit jeder neuen Umdrehung besser und schlüssiger wird.