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THE DOORS Full Circle

1972

Robby Krieger, Ray Manzarek und John Densmore von THE DOORS formen 1972 eine eigene Handschrift, geprägt von Latin-Impulsen, Jazz-Figuren und offener Studiogestaltung. Ein Album zwischen rhythmischer Ausweitung, sonnendurchzogener Leichtfüße, eruptiven Momenten und tastender Neuorientierung.

Die Monate nach „Other Voices“ hinterließen ein hörbares Spannungsfeld: Ein Trio, das den Workshop-Charakter des späten 1971-Materials abstreifte, suchte nun nach freieren Formen, die sich nicht mehr an die straffen Konturen früherer Jahre banden. „Full Circle“, entstanden im Frühjahr und Sommer 1972, markiert genau diese Bewegung: ein Öffnen der Texturen, ein Ausgreifen in Richtungen, die die eigenen Rollen neu definieren. Ray Manzarek, Robby Krieger und John Densmore rücken enger zusammen, zugleich erweitern sie den Klangraum mithilfe externer Musiker, deren Funk-Grundierung, Jazz-Einwürfe und lockere Latin-Figuren das Gefüge weit aufspannen.

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Der Beginn wirkt wie ein bewusstes Lösen von alten Lasten. „Get Up and Dance“ entfaltet eine federnde Oberfläche, deren perkussive Energie einen neuen, hellen Ton anschlägt. Der Rhythmus öffnet sich, spielt mit weiten Bewegungen, während Manzarek’s Tastenläufe eine beinahe urbane Leichtigkeit skizzieren. „4 Billion Souls“ wirkt konzentrierter, mit einer Textur, die die instrumentale Verdichtung stärker in den Vordergrund rückt. Krieger’s Gitarre scheint sich durch die Räume zu tasten, während Densmore die Dynamik in kleinen Schüben modelliert. Die Mitte der A-Seite markiert die entscheidende Zäsur: „Verdilac“ verbindet verzweigte Saxophonlinien mit einer spannungsvollen, leicht fiebrigen Harmoniefläche. Hier zeigt sich der neue Atem der Gruppe, eine Lust am Ausschweifen, die dennoch in klaren rhythmischen Impulsen verankert bleibt. 

Das Zusammenspiel gewinnt an Tiefe, die Studiogestaltung lässt Luft, Offenheit, Schichten. „Hardwood Floor“ knüpft daran an, jedoch mit strafferem Zugriff, während „Good Rockin’“ das historische Rhythm-and-Blues-Gerüst mit einem entspannten Rock-Groove verbindet. Die B-Seite weitet dieses Prinzip aus. „The Mosquito“, mit seinen sprunghaften Dynamikwechseln und latenten Latin-Musterungen, entzieht sich eindeutigen Kategorien. Der Stückverlauf kreist, bricht, zieht sich neu zusammen. Die Stimme wirkt leichter, die Gitarre tänzelt, der Rhythmus setzt plötzliche Akzente, als wolle das Trio eine neue Beweglichkeit demonstrieren. „The Piano Bird“ lässt den Jazz voll durchschlagen, getragen von flirrenden Holzbläserlinien, glühenden Harmonien und einer rhythmischen Ausweitung, die das Ensemble weiter öffnet. Densmore modelliert feinste Verschiebungen, während Manzarek ein harmonisches Raster legt, das Krieger punktuell aufbricht. 

„It Slipped My Mind“ und „The Peking King and the New York Queen“ führen das Album in eine lässigere Erzählhaltung: mehr Groove, mehr Raum für kleine instrumentale Dialoge, weniger Druck, mehr Beobachtung. Die visuelle Gestaltung – ein Kreis aus Bewegung, sonnigem Farbklang und surrealen Übergängen – spiegelt die musikalische Idee dieses Sommers klar wider: Fortgang, Auflösung, Neuordnung. Das Bild suggeriert freie Form, zirkulierenden Verlauf, eine Landschaft aus Übergängen. Genau dieses Prinzip prägt die Stücke: keine harte Zäsur, sondern Verschiebungen zwischen Funk-Grundierungen, Jazz-Figurationen, Latin-Motive, Rock-Impulse. Das Trio ringt, formuliert, probiert. Und lässt einen Blick auf ein Los Angeles zu, dessen Gegenkultur bereits müde wirkt und sich zugleich neu für Groove-Strukturen öffnet.

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68
surreal
1972
Full Circle
LF-0335-SG

Dieses Album ist innerhalb seiner Stimmung platziert und bewertet. Die folgende Auswahl zeigt Titel derselben Stimmung, die im Ranking darüber oder darunter liegen. Sie dient der Einordnung, nicht der Empfehlung.

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