Arctic Monkeys – Suck It And See

Das neue Album ‚ Suck It And See ‚ der Arctic Monkeys wurde im Vorfeld von Matt Helders (Schlagzeuger der Band) als „more poppy“ gegenüber der Songs auf ‚ Humbug ‚ beschrieben. Und bekanntlich wissen es die Schlagzeuger am Besten. Dementsprechend erklingen die ersten Titel auf dem neuen Werk tatsächlich sehr eingängig, unkompliziert und leicht verdaulich. Also im Grunde sprach hierbei vieles eine andere Sprache gegenüber ‚ Humbug ‚, welches schlussendlich nicht nur kommerziell sehr erfolgreich für die Arctic Monkeys verlaufen ist, sondern auch einen kritischen Triumph erleben durfte. Doch mit den schlammigen Riffs und dem anheizenden Power-Pop ist es auf ‚ Suck It And See ‚ geschehen. Einzig die makellose Erzählweise aus der Beobachtungsperspektive von Alex Turner hat nichts an Größe und Überlegenheit verloren.

Manche haben sich dennoch im Vorfeld einen anderen Weg zu ‚ Humbug ‚ gewünscht, der andere Teil wollte eine zweite Auflage von ‚ Whatever People Say I Am, That’s What I’m Not ‚. Am Ende ist es die Mitte und eigentlich auch der seitliche Blick auf die Nebenprojekte von Sänger Alex Turner. The Last Shadow Puppets, dessen Projekt gemeinsam mit Miles Kane (The Rascals) entstanden ist, aber auch die EP ‚ Submarine: Original Songs from the Film ‚ von Turner selbst, zeigen deutliche Inspirationen und Einflüsse. Und so überrascht es in den abschließenden Minuten der Platte wenig, dass sich vieles hier auf Beziehungen konzentriert: ‚ Reckless Serenade ‚, ‚ Love is a Laserquest ‚, ‚ Suck it and See ‚ und ‚ Piledriver Waltz ‚ drosseln das Tempo, wechseln in mildere Landschaften und beschäftigen sich mit den populären zeitgenössischen Genres.

Ob es nun einen weiteren Indie-Songwriter benötigt, der sich mit diesen Themen auseinandersetzt, sei dahingestellt. Aber in jedem Fall versteht es Turner, den ausgetretenen Pfaden ein paar neue Gesichtszüge zu verpassen. Der Opener ‚ She’s Thunderstorms ‚ macht kein Geheimnis um die bevorstehenden Minuten in munterer Atmosphäre, ‚ Black Treacle ‚ dagegen zeigt erstmals die neuen lyrischen Angewohnheiten: frühere Texte waren scharf und klar in Ihrer Ausdrucksweise, klug – aber nie zügellos. Hier bleiben die Erzählungen clever, aber ob sie nun relevant, sinnvoll oder ob sich dahinter nur eine simple Banalität versteckt, bleibt dieses Mal reine Interpretationssache. ‚ Brick By Brick ‚ kannte man bereits aus den vergangenen Wochen: Stampfende Bässe, kratzende Gitarren, zauberhafte Harmonien. Eigentlich die perfekte Stand-Alone Nummer.

Kurzweilig bis dahin, verspricht erstmals ‚ Library Pictures ‚ einen unkontrollierten und explosionsartigen Ausbruch. Dampfender Rauch steigt aus verusten Kaminen in den nächtlichen Himmel empor. Die Riffs pusten uns mit einem hinterhältigen Lächeln die beißende Asche in die Augen, es brennt, die Luft weicht aus unseren Kehlen, es wird hell am Ende des Tunnels. Was für ein fulminanter Kraftakt! ‚ All My Own Stunts ‚ beweist dagegen zwischen seinen Riffs die nachhaltigen Einflüsse des Queens Of The Stone Age Frontmanns Josh Homme. Doch zum Abschluss überlasse ich nochmals Matt Helders das Wort, dessen Zusammenfassung mir noch immer als die Geeignetste erscheint: „It’s enjoyable for us and the listener. And it’s maybe a bit more easy going. Not easy listening, but with a few poppier tunes. But in an interesting way“.