Laura Jean – Amateurs

Country/FolkFolk Rock, November 2022
LAURA JEAN singt nicht unbedingt über Geld oder Ruhm. Sie meint damit, dass es etwas spirituell Erfüllendes hat, Kunst außerhalb der üblichen Beschränkungen von Kommerz und Wettbewerb zu machen – dass all dieses Streben ein ebenso guter Grund zum Leben ist wie jeder andere.

Das neue Album von Laura Jean ist ein bisschen mysteriös. Die australische Singer/Songwriterin musste einige schwierige Fragen beantworten, um zum Kern ihrer Musik vorzudringen. Die australischen Anti-Kunst-, Anti-Intellektuellen-Kulturträger haben deutlich gemacht, dass es im Kunstbetrieb an Professionalität mangelt. Dass Kunst und Geld irgendwie zusammengehören. Laura Jean bemerkt: “Amateurs means to do something for love, not money, and somehow it’s become a dirty word, shorthand for a failure. These songs arise from my acceptance that I will always be an `amateur’.”  

„Amateurs“ fühlt sich an, als wäre es das Ergebnis einer Zeit der Kontemplation. Das Album beginnt mit „Teenage Again“, einem von Akustikgitarren angetriebenen Midtempo-Folk-Rocker mit einem Neil-Young-Feeling. “When I was 17, my mama couldn’t handle me” lautet der Eröffnungstext. Jedes Album als direktes Schreiben der Psyche einer Person zu betrachten, kann fragwürdig sein – Songwriter sprechen nicht unbedingt wörtlich oder singen nicht einmal über sich selbst. Aber hier scheint es eine ausgeschmückte Reportage zu geben.

„Amateurs“ ist folkig im Stil von Asylum Records der frühen Siebziger und bietet ohnmächtige, aber subtile Streicherarrangements, die eine melancholische Atmosphäre erzeugen. Gesangsmelodien können in Moll sein, und wenn Klavier das Hauptinstrument ist, werden die Noten sparsam herausgegriffen. Englert’s Stimme wird oft durch filigrane Chöre ergänzt. Der Neuseeländer Aldous Harding und der ebenfalls in Neuseeland geborene, aber in Melbourne lebende Marlon Williams steuern den Gesang zu drei Tracks bei.

Auf dem herausragenden „Folk Festival“ denkt sie über ihre eigenen Karriereentscheidungen nach: „Oh God I wish I was born in 1953, when I first heard Blue I should’ve been 18, I’d be so confused by a singer like me, in sympathy I’d buy a CD.“ Ihre Bewunderung für Joni Mitchell ist während des gesamten Albums offensichtlich, besonders in den lieblichen Piano-Balladen „Market on the Sand“ und „Rock n Roll Holiday“. Ihre Untersuchungen – sowohl über sich selbst als auch über die Popkultur – sind mit Raffinesse, Schärfe und einem Sinn für Humor ausgearbeitet, und ihre Mischung aus geschicktem Art-Pop und filmischer Erhabenheit sorgt letztlich für ein fesselndes Hörerlebnis.

7.9