William Doyle – Your Wilderness Revisited

William Doyle ist jemand, der permanent vor Ideen zu platzen scheint. Seine beiden Alben als East India Youth waren schwindelerregende Aufnahmen, die zwischen Berliner Bowie-artigem Krautrock und chart-freundlichem Elektropop flatterten, wobei jede Runde mit einer solchen Geschicklichkeit und Zuversicht durchgezogen wurde, dass alles irgendwie zusammenpasste. Aber auch wenn dies der Vergangenheit angehören mag, so ist seine Fähigkeit, diese Ideen auf solch unglaubliche Weise umzusetzen, immer noch sehr wirksam. William gleicht seine Eigenheiten perfekt mit den grundlegenden menschlichen Emotionen aus, die das Herzstück all seiner Songs bilden. Denn im Kern handelt es sich lediglich um ein Album über das Aufwachsen in den Vororten Bournemouth.

Die vorstädtischen Landschaften des von Hecken umgebenen inneren Englands haben eine mystische, fast mythische Qualität, die nur sichtbar wird, wenn man eine Zeit tiefer Beobachtung investiert, in der Hoffnung, das latente psychedelische Potenzial solcher wunderschön geplanten Orte zu entdecken. Einfach ausgedrückt versucht William Doyle zu beweisen, dass der Ligusterweg genauso interessant sein kann wie Hogwarts, wenn wir nur genug Vorstellungskraft haben. Das eröffnende Stück „Millersdale“ beginnt mit einer Mischung aus statischen und nachhallenden Arpeggios, bevor sie auf halbem Wege in einem ekstatischen Kreischen aus Saxophon und Schlagzeug zur Explosion gebracht werden. Ebenso spielt „Nobody Else Will Tell You“ die Electronic sanft an, ohne aber jemals völlig darin zu versinken.

Auf „Continuum“ tauchen wieder intensive Gitarrenlinien auf, die sich jedoch einem weitaus federnden Rhythmus gegenübersehen, der Radiohead und Can gleichermaßen hervorruft. „Millersdale“, das vor fast einem Jahr veröffentlicht wurde, ist ein Liebesbrief an die Gegend, in die Doyle und seine Mutter gezogen sind, als sein Vater verstarb. Es ist eine Ode an jugendliche Kreativität und Neugier – und es klingt genauso hoffnungsvoll und erhebend, wie man es sich vorstellen kann. Dieses Album könnte, mehr als jedes seiner anderen, leicht als pompös, anmaßend oder einfach als albern abgeschrieben werden. Aber man bekommt das Gefühl, dass es Doyle egal ist, was wir davon halten, solange wir es unvoreingenommen probieren.