White Lies – Five

Five is absolutely the best record we could’ve made aged 30.“ Ehrlich geschrieben lag ich bereits mit dem Debüt im Zwiespalt, da die rohe und leidenschaftliche erste Version zu „Unfinished Business“ auf dem Album die Kanten genommen wurden. Damals hörten wir noch neue Songs auf MySpace. Keine Frage, die erste Platte war subjektiv die bis heute beste Arbeit des Post-Punk-Trios aus London und lieferte eine Reihe erfolgreicher Singles, die auch im Jahr 2019 die Karriere der White Lies prägen. Aber der alleinige Blick in diese Richtung wäre zu kurz gegriffen, denn auch das konzeptbasierte „Big TV“ aus dem Jahr 2013 erweiterte den Sound der Band und gemeinsam liefern diese beiden Werke das Fundament für das neue fünfte Album.

Das eröffnende Stück „Time to Give“ ist mit Abstand das ehrgeizigste, was die White Lies bisher geschrieben haben. Es beginnt mit einem abenteuerlichen aufsteigenden Outro, das nach gut zwei Minuten in ein Karussell aus hypnotischen Melodien ausbricht. Dennoch kann die Band nicht über die gesamte Distanz die Spannung halten und die meisten werden wohl nach dem ersten Durchlauf mit „Never Alone“ beginnen. Generell hätte „Time To Give“ am Ende eine bessere Figur abgegeben. „Never Alone“ ist dagegen ein perfektes Beispiel für den melancholisch klingenden Sound, den die Band in den letzten zehn Jahren aus ihren Goth- und New Wave-Einflüssen entwickelt hat. „Finish Line“ beeindruckt mit einer dreiteiligen Struktur, die sanft mit den Erwartungen des Hörers auf die richtige Art und Weise spielt und eine unerwartete Brücke enthält. Aber man braucht nicht lange herum schreiben, dass prägendste Stück ist „Tokyo“ mit seinem Synth-Jam der 80er und dabei an einer groovigen Bassline entlanghüpft. Für mich persönlich der aufregendste White Lies-Track auf dem Album.

Insgesamt bietet „Five“ neue komplexere Aspekte, ohne dabei die dunkle Seite zu verlassen. Trotzdem lassen die Songs die einstige Griffigkeit vermissen und erzeugen bei mir ein Gefühl von Hektik und Euphorie in abwechselnder Reihenfolge. Die White Lies sind lebendig und munter wie eh und je, aber ein wirklich überzeugender Track ist dann doch zu wenig.