Vivian Girls – Memory

Kaum zwei Minuten dauerte es damals, bis die Vivian Girls jeden einzelnen ihrer Songs hinter sich gelassenen haben, die einem knusprigen Sound entsprachen, der den spektorianischen Girlgroups und dem 80er-Jahre-Hardcore zu verdanken ist. Die Brooklyn-Bands der Gegenwart haben ihre Musik aus dem gleichen Stoff geschnitten, ihren baufälligen Punk in Hall getränkt und ihre Instagram-Posts mit Pseudo-Vintage-Filtern geröstet. Aber die Vivian Girls gehen tiefer als die Fassade ihrer Kollegen und stoßen ihre Arbeit auf zeitloses Terrain. In ihrer Abwesenheit wurde das Trio mythologisch, ein Prüfstein für unzählige Bands. Sie war die beste Band, die aus der Noise-Pop-Welle der späten 2000er-Jahre hervorgegangen ist und ihre Alben haben sich bewährt. 

Ein Vergnügen bis heute, nicht nur wegen der Nostalgie, sondern auch, weil die Songs schlicht nicht schlecht werden. Sie veröffentlichten drei Alben in knapp vier Jahren und dann waren sie weg; Ihre letzten Shows im Jahr 2014 waren Fußnoten für eine Karriere, die bereits scheinbar vorbei war. Aber hier haben wir nun „Memory“, ihr erstes neues Album seit acht Jahren und eine würdige Ergänzung zu dem Vermächtnis, dass die Vivian Girls bereits aufgebaut haben. Die Band ist so gut wie nie zuvor und vielleicht sogar auf andere Art und Weise ein bisschen besser.

Nach Cassie Ramone’s zurückhaltender Soloarbeit und Katy Goodman’s raffinierten Pop-Wandlungen mit La Sera ist es bemerkenswert, wie reibungslos die Mädels in die alte Dynamik zurückkehren, als ob sie den Vivian Girls-Sound konserviert hätten. Die Gitarren sind immer noch voller Halleffekte, die Percussions bleiben treibend und die täuschend komplexe Stimmharmonisierung ist die Achse, um die sich letztlich alles andere dreht. Was neu ist: ein Gefühl echter Erheiterung – vor allem auf dem freilaufenden „Something To Do“, dem wütenden Ohrwurm „I’m Far Away“ und der sanften Brise von „At It Again“. „Lonely Girl“ spielt mit noch größerer Dynamik und verwandelt sich in einem Augenblick vom Dream-Pop-Klagelied zum bedrohlichen Garagen-Rocker.

Die Art und Weise, wie die Vivian Girls Dunkelheit und Licht in Einklang bringen, war schon immer etwas Besonderes. Diese Intentionalität kommt im Gedächtnis deutlich zum Ausdruck. Produziert von Rob Barbato, ist es dynamisch verworren, texturell dicht. Dieses Wiedersehen der Vivian Girls wird nicht verworfen und die Band gerät nicht in die Nostalgie-Falle. Sie haben die Dinge, die sie gut gemacht haben, auf den Punkt gebracht und verfeinert. Das Gedächtnis ist nicht nur ihre beste Bilanz, es hält auch alle Versprechen ein, die einst gemacht wurden.