Ezra Furman – The Year Of No Returning

Der Mann mit den ungekämmten Haaren, den blauen Augen und dem Blut zwischen Nase und Oberlippe heißt Ezra Furman und ist ein aus Chicago-stammender Songwriter. ‚ Seconds into The Year of No Returning ‚ heißt dazu sein neues Album und erfreut uns mit ausgelassenem Rock’n’Roll, klassisch im Americana Stil und verzaubert mit geheimnisvollen Kräften, geistreichen Texten und eigenwilligen Wendungen die Sinne seiner Zuhörer. Das eröffnende Stück ‚ Dr. Jekyll & Mr. Hyde ‚ zeigt dann mit der ersten Sekunde die gebündelte Stärke von Ezra Furman: vorgetragener Dualismus in Perfektion zwischen liegenden Gitarren und eindringlichen Tönen aus dem Mund Ezras. Im weiteren Verlauf versammeln sich so unterschiedliche Instrumente wie Xylophon, Mundharmonika, Streicher, Blechbläser und Klavier. Und als hätte es der grimmige Mann aus Chicago eben selbst gelesen, überrumpeln einem die Gitarren im zweiten Stück ‚ American Soil ‚ mit knallharten Riffs und stacheln nervös-zuckende Rhythmen und ein stampfendes Schlagzeug zu Höchstformen an. Seine Texte verdrehen sich dabei als köstliche Widerhaken – nur um sich doch immer wieder von der Leine zu reißen, die Freiheit erneut als größtes Geschenk wahrzunehmen und mit erweiterter Reichweite geschickt dem eigenen Blickfeld zu entfliehen. Weniger gelungen ist dagegen das plätschernde ‚ Lay In The Sun ‚, das etwas zusammengeflickte ‚ Sinking Slow ‚ und die zu gesäuselte Nummer ‚ Down ‚. Man befindet sich plötzlich in einer Sackgasse. Doch zum großen Glück von Ezra Furman ist mit ‚ That’s When It Hit Me ‚ ein facettenreicher Kracher versteckt, der sich als Geheimwaffe in dieser ansonsten ausweglosen Situation entpuppt. Ganz bezaubernd ist auch ‚ Are You Gonna Break My Heart? ‚ geworden. Herumschwelgende Rhythmen laden gemeinsam mit ‚ Bad Man ‚ zu einer melancholischen Streicheleinheit. „This is my heart, it’s a motor/ it will search the world over/ I’m a search engine, see what I mean“, erklingt es dann im letzten Stück ‚ The Queen of Hearts ‚ und beendet damit eine wohltuende Reise, die einmal mehr gezeigt hat, dass Furman zurecht mit Phantasten wie Lou Reed oder Jonathan Richman genannt wird.