Vivian Girls – Everything Goes Wrong

Weibliche Shoegazer, um es einmal so auszudrücken, sind wahrlich eine Seltenheit und dementsprechend immer eine Erwähnung wert, sollte dieses faszinierende Phänomen auf unserer großen weiten Welt in Erscheinung treten. Doch blieb es damals im Fall der Vivian Girls nicht nur bei stummen Blicken und ausdruckslosen Gesichtsausdrücken, sondern was darauf hin passierte war eine Erfolgsgeschichte der wirklich besonderen Art und Weise. Damit hätte niemand rechnen können, das diese drei sympathischen Damen aus Brooklyn, New York einmal vor deutschem Publikum auftreten werden. So geschehen Mitte des Jahres. Auftritte die Ihre Spuren durch das gesamte Land pflügten und sich nun mit der zweiten Platte ‚ Everything Goes Wrong ‚ zurück melden. Ein Titel der anfänglich in die Irre führen will und bestimmt nicht mit einer Stiländerung in Verbindung gebracht werden möchte. Ja, „The Story of the Vivian Girls, in What is Known as the Realms of the Unreal, of the Glandeco-Angelinnian War Storm, Caused by the Child Rebellion“ erfährt Ihre nächste Runde in der kopfnickenden Shoegaze und Punk Musik der Vivian Girls.

Lückenlos ist der Einstieg in ‚ Walking Alone At Night ‚ mit schnellen Akkorden und einem raschen Ende. Ohne Pause springen wir dann auch schon in den zweiten Track ‚ I Have No Fun ‚ und während diese geschriebenen Wörter in die Kritik getippt werden, ist auch das zweite Stück in die Geschichte der Vivian Girls eingegangen. Hier gibt es keine Grauzonen, die Verhältnisse werden klar abgesteckt: Entweder wird man diese Band lieben, oder Sie hassen. „Der Gesang ist flach!“, „In den 80er Jahren war noch alles besser“ und nicht zu vergessen „Sie können nicht einmal Ihre Instrumente spielen“ sind wahrlich schwachsinnige Kommentare kultureller Tiefflieger. Wir reden hier schließlich und verdammt nochmal über Punk Musik. Dazu benötigt es kein Studium und erst recht niemanden der meint, er könnte als vermeintlich Intellektueller die Voraussetzungen für den Standart neu definieren. Selbstverständlich darf man den Vivian Girls im Zusammenhang der neuen Platte eine gewisse Ideenlosigkeit vorwerfen, da die Überraschungen gänzlich auf ‚ Everything Goes Wrong ‚ ausbleiben. Doch braucht es die eigentlich auch gar nicht.

Ideenlosigkeit hin oder her. Derzeit gibt es nichts vergleichbares und macht die ganze Geschichte deshalb nicht besonders verwerflich. Die Stimmung ist auf dem zweiten Werk ein wenig düsterer, die Richtung mehr klassisch inspiriert mit gleichzeitiger Abkehr des Garage-Rock-Punks. Die Vivian Girls schweben in einer Komfort-Zone, glänzen hin und wieder mit treibenden Beats in ‚ The Desert ‚ oder ‚ Survival ‚ und überzeugen in ruhigen Momenten wie es ‚ The Desert ‚ vorbildhaft praktiziert. Diese Mädchen Band harmonisiert, polarisiert, trommelt und zerrt was die Instrumente hergeben und profitiert von einem vielfältigen Klang mit der Unmittelbarkeit und Roheit als funktionierende Einheit. Am Besten gelungen ist dem Trio das auf Ihrem basslastigen Stück ‚ The End ‚ und erinnern damit ein wenig an ‚ Tell The World ‚. Abschließend darf von einem hochwertigen Nachfolger gesprochen werden, dem vielleicht nur an manchen Stellen mehr Gitarren-Pop-Brillanz gut gestanden hätte.

8.3