Unknown Mortal Orchestra – II

Hinter dem Namen Unkown Mortal Orchestra würden die meisten unter uns kräftig auffahrende Instrumentierungen vermuten. Aufgenommen in großzügigen Räumlichkeiten, gestützt durch ein zusammengetragenes Kollektiv. Zumindest wäre das auch meine erste Einschätzung bei dem Namen Unkown Mortal Orchestra gewesen. Aber Bezeichnungen dieser Art darf man ja bekanntlich nicht immer so wörtlich sehen. Und so stellte sich dann heraus, dass sich hinter Unkown Mortal Orchestra hauptsächlich ein einziger Mann verbirgt. Nämlich Ex-Mint-Chicks-Mitglied und 32jährige musikalische Multitalent Ruban Nielson. Seine eigenen Visionen begannen damals noch als home-recording Projekt, als er von seiner Heimat Neuseeland nach Portland, Oregon zog und dort fortan über die folgenden Monate im Keller und Schlafzimmer diesem Projekt die ersten Formen aus Psychedelica, Soul, Choppy Percussions und Funk verpasste.

Und das Ruban Nielson durchaus ernsthafte psychedelische Veranlagungen in sich trägt, zeigt er bereits im eröffnenden Stück ‚ From The Sun ‚ überdeutlich. Über torkelnde Gitarren hinweg gebeugt, singt er da: „I’ve gotta eat my popcorn all alone… Isolation can put a gun in your hand“, und hinterlässt damit eine spirituell morbide Einführung über vier Minuten Spielzeit zurück. Dagegen wirkt ‚ Swim and Sleep (Like a Shark) wie die reinste seelische Wohltat. Alles harmoniert hier miteinander, während der sanfte Wunsch, „swim and sleep like a shark does”, als emotionale Lobotomie in die dahinschwebenden Textzeilen eingearbeitet wird. Tatsächlich sollen diese genannten Zeilen unter anderem auch das emotionale Chaos auf Tournee beschreiben, die Anstrengungen, Einsamkeit, Liebe und Verzweiflung, die er in seinem neuen Werk auf surrealistische, Cartoon-ähnliche Art potraitierte. Aber das Ergebnis ist letztlich äußerst erfrischend, denn Ruban Nielson schrieb raffinierte und direkte Texte, sie kombinieren Charme mit morbider Ehrlichkeit, er vermeidet Selbstverachtung, Ironie und Selbsterkenntnis.

Unkown Mortal Orchestra durchleben hier nochmals die eigene verspielte Gedankenwelt und die verströmende kinetische Energie aus den letzten Monaten und Jahren. Aus musikalischer Sicht gesehen, bleibt das zweite Album eine überwiegend ruhige und zuweilen auch nachdenkliche Angelegenheit ohne Aufreger und gezielt gesetzte Höhepunkte. Es ist eben eine Platte zum einfühlen und mitsummen. „I’ve so lonely, I’ve gotta eat my popcorn all alone“.