Ty Segall – First Taste

Die neueste Solo-Veröffentlichung des in Los Angeles lebenden Rockkünstlers Ty Segall enthält keine Gitarren, sondern Instrumente wie Bouzouki, Schlagzeug (gespielt von Charles Moothart und Segall), Koto (eine mit 13 Saiten bespannte Wölbbrettzither, die in der höfischen japanischen Musik gespielt wird), Harmonizer, Mandoline, Blockflöte und Saxophon. Dazwischen findet sich im neuen Album „First Taste“ eine Zeile, die den Ansatz des erfahrenen Garage-Guru’s, Musik zu machen, ziemlich gut zusammenfasst: “I sing my song and sound like me,” so der Singer-Songwriter im song “I Sing Them”.

 

Seine leidenschaftliche und ausdrucksstarke Stimme vermittelt den Eindruck von einem weiteren Instrument, einem Schlüsselelement seiner gesamten musikalischen Struktur, wobei Musik und Texte eine starke Synergie erzielen. Die lyrischen Vorstellungen treten also nicht sofort in den Vordergrund, aber wenn man mehr Zeit mit diesen Songs verbringt, beginnen sich Segall’s Ideen zu entfalten. Die erste Single des Albums „Ice Plant“ weckt sanft das Gefühl von Zugehörigkeit und Heimat. Segall singt, als würde er eine Erinnerung aus dem Äther heraufbeschwören, während seine Stimme mit der von Shannon Lay verschmilzt: “To the oranges that used to be my driveway/And the ice plants that live on the hills.”

Während des gesamten Albums werden die Riffs von einer Vielzahl verschiedener Streichinstrumente untermauert. Mandolinen, Koto und Bouzouki sorgen für unerwartete Freude. An anderer Stelle sorgen haarsträubende Blechbläsersektionen für Wendungen innerhalb der Songs und für ein mulmiges Gefühl. Aber das vielleicht aufregendste Element von allen – oder zumindest der Bereich, in dem das meiste Kerosin ins Lagerfeuer geschüttet wird – ist das Schlagzeug. Das Drumming in „First Taste“ ist dank der regelmäßigen Verwendung von Double Kits, eines in jedem Kanal (Ty hören wir auf dem linken Ohr und Charles Moothart auf dem rechten), wirklich dreidimensional. Diese Aufnahmen sind so lebendig, dass es den Eindruck erweckt, als würden wir in „The Fall“ selbst die Trümmer von einem Vulkanausbruch sammeln.

„First Taste“ ist zweifellos zerstreut und zügellos. Aber das macht es auch so berauschend. Segall lässt die verschiedenen Ideen und Klänge absolut hörenswert durch unsere Köpfe schweben und schließt mit „Lone Cowboys“, dass nochmals alles gegen die Wand wirft – eine Mischung aus verrückten Instrumenten, die zu einem Widescreen-Pop-Sound verschmelzen. “We can live on our own/We can breathe on our own!”