The Horrors – Luminous

Man darf mit Recht behaupten, dass sich The Horrors nach ‚ Skying ‚ endgültig zwischen den eigenen psychedelischen Soundwänden verirrt haben. Zwar klingt das alles nicht mehr so düster und finster wie noch vor drei Jahren, aber darin versinken – sich vollkommen dem Sound hingeben – dass kann man mit dem neuen Album ‚ Luminous ‚ auch nicht mehr so wirklich. Dafür bieten uns die Horrors eine abschließende und nicht umkehrbare Beerdigung Ihres einstigen Debüts ‚ Strange House ‚. Die Band vor sieben Jahren? Wenn man es nicht wüsste, Vergleiche wären absolut unangebracht. Aber das man deshalb darum trauern müsste wäre Schwachsinn, zu gut war Ihre letzte Platte, zu hinreißend die Melodien und wunderbaren Refrains.

Das eröffnende Stück ‚ Chasing Shadows ‚ kann daran nahtlos anknüpfen, bietet breit angehauchte elektronische Klänge in schimmernden Effekten, die gemeinsam als atmosphärische Hymne wunderbar den schmachtenden Gesang von Faris Badwan untermalen. Auch ‚ First Day Of Spring ‚ und ‚ Jealous Sun ‚ zelebrieren förmlich den zu ‚ Primary Colours ‚ erfundenen Adrenalin-Rush-Sound, der als dunstiger Wurlitzer die unscharfen Farben und rauschenden Lärmkulissen in schmutzige Pop-Gewänder wickelt. Und zwei haben The Horrors noch: nämlich den explosiven ‚ So Now You Know ‚, der nebenbei bemerkt auch keinerlei Anstalten unternimmt, den Status als herausragendes Meisterstück dezent herunterzuspielen. Synth-geführte Instrumentals, keifende Haken und eingängige Refrains liefern uns ein intensives Erlebnis, welches mit großer Nachhaltigkeit im Gedächtnis verweilen wird.

Und zum Zweiten wäre da ‚ In And Out Of Sight ‚, dass nervös zuckende Kunstimpulse auf den hauchdünnen Saiten der Gitarren ablegt. Ja The Horros zeigen uns darin Ihre Qualitäten, Ihren unerbittlich schimmernden Groove, die Echos von New Order und Ihr reichhaltige Phantasie. Nur eben gibt es dazwischen auch die abflachenden Momente, die insbesondere nach ‚ Jealous Sun ‚ verstärkt in die psychedelischen Soundwänden einbrechen und die bereits angesprochene Orientierungslosigkeit auslösen. Glücklicherweise erwartet uns am Schluss noch ‚ Sleepwalk ‚ und damit die rettende Erlösung aus dem an sich reißenden Sumpf ideenloser Perspektiven. Zugleich muss ‚ Luminous ‚ als komplette Einheit erlebt werden um zu überzeugen. Dießbezüglich ist das vierte Album für einen Release im 21. Jahrhundert angenehm altmodisch ausgefallen.

7.7