Theoretical Girl – Divided

Aufgepasst! „I am Theoretical Girl, a solo artist.“ Genau, eine Solokünstlerin mit Ihrer ersten Platte die sich kurz ‚ Divided ‚ nennt und damit ein wenig in die Irre führen möchte. Denn es wird nicht das große Entzücken los brechen und auch Genre-Spaltungen lassen lange auf sich warten. Es hat 12 Titel und seine Momente mit zarter Dramatik und einigen Einzelleistungen die hervorstechen, doch insgesamt spielt es in dem Bereich der sanftmütigen und britischen Wesensart. Auch muss hier gleich mit dem Vergleich aufgeräumt werden, eine neue La Roux, Little Boots oder Florence Welch auf dem Teller zu finden. Der ganze Hype fängt mittlerweile an zu Schimmeln, da ist man froh um das bereitstehende Dessert in Person von Amy Turnnidge. Dennoch wird Sie gerne in den großen Topf geschmissen, aber Sie war eher dort, nämlich seit über drei Jahren und ist zudem das exakte Gegenteil der künstlichen Geschmacksverstärker. Sie ist Natur pur, wenn man so will.

Eine Künstlerin die es in dieser Zeit noch nicht verlernt hat, sämtliche Instrumente selbst einzuspielen und wenn Sie dafür vermutlich mehr Anerkennung verdient hätte, wird Sie angesichts Ihres enttäuschenden Debüts in der Beziehung nicht die gleichen Wellen schlagen. Enttäuschung bezeichnet das Gefühl, einem sei die Hoffnung zerstört worden. Die Hoffnung sich von der Frustation zu befreien und mit Amy Turnnidge eine neue Künstlerin zu erleben, die nicht nur andere Herangehensweißen verfolgt, sondern diese auch besser machen würde. Hört man sich durch die Hälfte der Platte hindurch wird deutlich, das der größte Teil des Materials nur eine leichte und unterkochte Popmusik mit einem Hauch von Folk und leisen Alternative-Grundlagen, verpackt in einem Bogen der Mittelmäßigkeit, darstellt.

Dabei überzeugen die Texte auf der vollen Spielzeit. Mal in ausgedehnten Pausen: „I’ve never been blessed with good…..timing” oder witzelt in ‚ Divided ‚. „You are all that i think of, I’m sure we’d fit like a glove“. Während musikalisch die emotionale Ebene nur selten angekratzt werden kann, sticht Sie mit Ihren spitzen Nadeln umso öfter in unsere Herzen. Gegen Ende wandelt sich die Enttäuschung über die Songs in Mitleid. Es ist wahrlich trauig wenn echte Talente es nicht schaffen, Ihre Qualitäten über die komplette Länge eines Langspielers zu erhalten. Es mag hart und unfair klingen, doch den gesamten Verlauf über kann man nicht das unbestimmte Gefühl abschütteln das hier irgendetwas fehlt.

Und darum gehen wir nun noch einmal auf die unangefochtenen Highlights ein. ‚ Dancehall Deceit ‚ ist ein dunkler Leckerbissen inmitten einer Platte mit süßen Vorspeisen, während ‚ Good Timing ‚ mit seiner schlichten Eleganz und dem wirbelnden Augenblick fast schon allein für die gelegentlichen Fehltritte entschädigt. Auch der Opener ‚ Rivals ‚ ist ein verdammt süchtig machender Parasit, der sich kompromisslos und dabei anschmiegsam in unser Gehirn gräbt. Ja und auch der Schlusstrack ‚ The Hypocrite ‚ zieht uns wieder auf die theoretische Tanzfläche mit knackigen Gitarren, drohenden Violinen und der Kombination aus Klavier und Gesang. Pulsierend und ruckartig schließt ‚ Divided ‚ seine Pforten und erinnert uns daran, dass es noch andere Perlen auf dem Album zu entdecken gilt.

8.0