The Walkmen – You & Me

Eine äußert noble Geste der Walkmen lassen die Glocken in diesem Jahr mal außerplanmäßig läuten. Vorab der Album Veröffentlichung haben sich die fünf New Yorker was besonderes einfallen lassen. Ihr mittlerweile viertes Studio Album gab es auf der Amerikanischen Seite AmieStreet.com bis zum offiziellen Release für läppische 5 Dollar zu kaufen. Der gesamte Erlös kommt dabei einer karitativen Einrichtung zugute. „All donations go to Memorial Sloan-Kettering Cancer Center in honor of Luca Vasallo, a friend to the band and a curent patient who is seven months old and doing a great job fighting a very difficult disease,“ nach Worten von Bassist Peter Bauer. Das sich damit einiges einnehmen werden lässt, sollte außer Frage sein. Wie auch schon bei den Vorgängern erwartet einem auch diesmal herrlich blächender Sound, gemischt mit melancholischen Gesängen von Hamilton Leithauser. Nachdem der Ausflug auf Harry Nilsson´s ‚ Pussy Cats Starring the Walkmen ‚ sowie die latinischen Klänge zu ‚ A Hundret Miles Off ‚ abgeklungen sind, kommt nun die Kehrtwende in vertraute Gebiete mit ‚ You & Me ‚ zurück. Im wahrsten Sinne des Wortes wurde selbst das gleiche Studio wie damals zu ‚ Bows + Arrows ‚ benutzt um an vierzehn weiteren Tracks zu arbeiten. Was allerdings nicht gleich blieb sind die Themen, denn diesmal befasste man sich überwiegend mit Reisen, Strände, Urlaub, heimischen Gebieten und platzieren diese Songs großzügig auf der Karte. Erster dieser Art ist die Singleauskopplung ‚ In The New Year ‚, dass mit Ihrem überschwänglich positivem Grundrythmus einem sofort mitten ins Herz schiesen muss. Gequetschte Melodien schwellen zu jubelnden Chören voller Optimismus an, in der nur Hamilton Leithauser´s Stimme ergreifender über allem schweben kann. ‚ In The New Year ‚ gehört mit ‚ On The Water ‚ zu einem lauten Einstieg ins neue Walkmen Album. Opener ‚ Dónde Está la Playa ‚ beweist gleich zu Anfang die Wandlungsfähigkeit der New Yorker in Ihren einzelnen Songs. Die so typischen Gitarren Klänge setzen ein zu Texten wie „there is still sand in my suitcase/there Dondeis still salt in my teeth“ in denen verschwommene und wimmernde Bassläufe einen vorsichtig nach vorn tastenden Rahmen für die weiteren Songs stellt. Zwischen dem großartigen Stück ‚ On The Water ‚ schiebt sich noch eine Instrumental Version von ‚ Flamingo (for Colbert) ‚ dazwischen. Der Sound ist diesmal anders, aber es zu beschreiben fällt schwer, da es immer noch die Walkmen sind die Ihrem Stil treu bleiben und dennoch kann man deutlich an allen Ecken und Kanten die Veränderungen spüren. Die meist sehr lebhaften Tracks umgeben oft einfache Lyrics wie bei ‚ Red Moon ‚ in der ein Mädchen vermisst wird oder um die Suche nach besseren Zeiten in ‚ The Blue Route ‚. Dabei handelt es sich um gut getragene Themen aus dem Alltag, aber in allen lassen sich diese kleinen vorsichtig vorgetragenen Details finden, die allesamt für großartige musikalische Momente stehen. So sind es bei ‚ Canadian Girl ‚ die wunderschönen Trompeten, die mit Ihren kurzen Auftritten diesen zu einem ganz besonderen machen. Schwermütige Hörner auf ‚ Red Moon sorgen für trübselige Stimmung ‚. Übrigens wurden diese bereits in ‚ Louisiana ‚, vom 2006 erscheinenden Album ‚ A Hundret Miles Off ‚, verwendet. Aber genau das steht für den unverwechselbaren Sound von The Walkmen, diese immer wiederkehrenden Elemente aus früheren Songs schaffen eine Vertrautheit, verbinden aber auch Alt mit Neu und erschaffen daraus neue Ideen. Nicht zu vergessen die immer wieder großartigen Leistungen von Schlagzeuger Matt Barrick ‚, der besonders mit seinem klirrenden Percussions auf ‚ Postcards from Tiny Islands ‚, ‚ Four Provinces ‚ und vielen weiteren Momenten immer wieder bestätigt wie wichtig er für die Band ist. Mit ‚ If Only It Were ‚ und der finalen Abschlusserklärung „I´ll Die in Dreams Of You“ endet die Geschichte von ‚ You & Me ‚ dann schließlich still und leise. The Walkmen haben wie man so schön sagt, zu Ihren Wurzeln zurück gefunden. Zwar ist der Sound nicht mehr so schwer oder unmittelbar wie damals noch zu Zeiten wie ‚ Everyone Who Pretended to Like Me Is Gone ‚ aber soll das auf keinen Fall eine Beschwerde sein. Vielmehr klingt es schüchtern wie die New Yorker mit Ihrem neuen Werk an uns heran treten wollen. Man muss viel Zeit mit ‚ You & Me ‚ verbringen um es verstehen zu können. Die Texte sind diesmal sehr direkt gehalten, die Freuden einfach, so einfach wie die traurigen Hörner auf ‚ Red Moon ‚ und dennoch kann man bei längerem Hinhören viel entdecken, was uns The Walkmen bei einem flüchtigen Durchhören vorenthalten wollen. Denn das ist der Sound, mit einer sommerlich süßen Note in Perfektion und Anmutigkeit, der die Stimmung hätte nicht besser beschreiben können. Es muss nicht unbedingt Ihr schönstes sein, aber sicherlich Ihr bisher einsamstes.