The Walkmen – Lisbon

Zwar dauerte es damals noch bis zum 14. September 2010 mit der neuen Platte ‘ Lisbon ‘ der Walkmen, doch einen ersten Einblick schenkten uns die Herren an diesem Tag dann doch: es war ein sehr vielversprechender Eindruck, ‘ Stranded ‘ klang unheimlich gefühlvoll mit einem wohlklingenden Horn, das an Sessions um die 1950er Jahre erinnerte. Auch spannend war hier schon die Entwicklung von The Walkmen, konnte man schließlich bereits auf ‘ You And Me ‘ erste Einsätze des Horns vernehmen. Hamilton Leithauser, Sänger der Band, meinte selbst folgendes dazu: “Early on, we had a whole batch of songs that were based on this New Orleans-style horn playing that (guitarist) Paul (Maroon) was working on. But ‘ Stranded ’ is the only one that actually ended up making the album“. Interessant ist ebenfalls, das dieses Horn auf der nun erschienen Platte von seiner Ehefrau Anna und dem Lead-Trompeter Paul Brandenburg eingespielt wurde.

The Walkmen glänzen, das kann man hier bereits sagen, wieder von allen Seiten: Das Album ist das, was ‘ You & Me ‘ niemals hätte sein können (dort wurde mehr auf das einzelne Individuum, mehr auf den einzelnen Song geachtet) und das, was ‘ A Hundred Miles Off ‘ immer sein wollte – nämlich die perfekte Platte auf ein und demselben Niveau. Und so bleibt es zwar auch weiterhin schwer eine objektive Kritik über eine Band zu verfassen, der man schon seit Jahren hoffnungslos verfallen ist. Doch wenn wir ehrlich sind, ist womöglich eine angemessene Ojektivität in Fällen wie diesen, überhaupt nicht gegeben. Vielleicht wird es sie auch niemals geben. Doch in Situationen wie diesen hilft es natürlich ungemein, wenn die zu rezensierende Platte der Lieblingsband in jeglicher Hinsicht auf negative Kommentare verzichten darf. Unabhängig davon, ob der zu schreibende Redakteur der Band angetan ist, oder eben nicht.

Manchmal meint es das Leben wirklich gut und in diesem Fall sogar noch besser, wenn lobende Worte über diese phantastischen Gruppe aus New York, Philadelphia, unmissverständlich gefordert werden. Ebenfalls wunderbar gelöst wurde der Einstieg in das neue Werk: ‚ Juveniles ‚ bringt uns auf eine Reise in gemächlichem Tempo, durch luftige Echos und schwüle Low-End-Nachhalle erklingen die Strophen so unglaublich melodisch wie eh und je. Mit ‚ Angela Surf City ‚ folgt ein Stück, welches sich einen Platz neben ‚ The Rat ‚ und ‚ In The New Year ‚ mehr als verdient hat. Es beginnt in zurückgezogener Angespanntheit, Leithauser singt über eine vergangene Beziehung, und alles bewegt sich dabei im Metier des Surfer Rocks. Doch mit dem Eintritt des Chors ist die leichte Melancholie Vergangenheit, wogende Wellen umspülen uns wie ein hungriger Magen auf der Suche nach Befriedigung seiner aufhetzenden Gefühle.

Grob geschrieben, finden sich auf der Platte drei wunderschöne und herzzreißende Highlights wieder. Neben ‚ Angela Surf City ‚ folgt die nächste Perle der emotionalen Verzauberung mit ‚ Blue As Your Blood ‚ und einer dahin-tuckernden Tennessee Drei-Schienen-Bahn. Die Sprünge folgen in regelmäßigen Abständen und entladen Ihre gebündelten Kräfte im Refrain, der einzig und alleine die pure Verzückung in Person darstellt. ‚ Victory ‚ hat dagegen die gleich Art des Blut-stampfenden Refrains von ‚ Stranded ‚ und ist natürlich (Walkmen-typisch) kein Song über den erreichten Sieg. ‚ Woe Is Me ‚ hüpft fröhlich und ausgelassen durch die Melodien, während sich ‚ Torch Song ‚ im Flaum des Angelo Badalamenti erwärmt und sich dabei zu einem wahren Herzschlagfinale spielt. Zugleich ist es das dritte triumphale Highlight auf ‚ Lisbon ‚ und benötigte Injektion von Helligkeit, mit der sich das Album endgültig aus jeglicher Mittelmäßigkeit ziehen kann.

Und schlussendlich muss sich jeder eingestehen, diese Art von Musik können nur The Walkmen. Nur diese Gruppe bietet kompetente, leicht verdauliche Melodien in beeindruckender Atmosphäre und zugleich den Kontrast mit einer sympathischen Zurückhaltung, die am Ende für eben diese kostbaren Momente sorgt, die wir nie wieder in unserem Leben vergessen werden…