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THE DOORS L.A. Woman

1971

THE DOORS und L.A. WOMAN – ein fiebriger Abgesang im Zeichen nächtlicher Großstadtlinien, ein Album voller Hitze, Unruhe und erdiger Präsenz.

„L.A. Woman“, das neue Werk der Doors, entfaltet eine Atmosphäre, die kaum noch an das überspannte Studioideal der späten Sechziger erinnert. Jim Morrison, sichtlich auf Distanz zum Popstarbild der vergangenen Jahre, singt hier mit einer raueren, schwereren Stimme, die sich tief in die Texturen des Bandsounds einlagert. Die Gruppe hat sich in ihr eigenes Proberaumstudio zurückgezogen, den unscheinbaren Workshop an der Santa Monica Boulevard, und diese räumliche Verengung prägt jedes Detail des Albums: Die Musik wirkt unmittelbar, unpoliert, fast wie ein nächtliches Live-Set, das man durch ein beschlagenes Fenster belauscht. Genau diese Fensterhaftigkeit findet sich im gelb getönten Covermotiv wieder, das die vier Musiker wie in einer überbelichteten Kammer zeigt – eine visuelle Parallele zu jener reduzierten, fast dokumentarischen Klarheit, die die Songs nun tragen.

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Man hört, wie die Band nach den juristischen Verstrickungen der vergangenen Monate einen neuen Halt sucht, zugleich aber eine eigentümliche Gelöstheit gewinnt. Die Abwesenheit des langjährigen Produzenten Paul Rothschild verleiht den Sessions eine ungeschönte Rohheit. Bruce Botnick, eher technischer Wächter als formender Gestalter, lässt die Songs atmen, lässt sie treiben, lässt sie in jene organische Länge wachsen, in der Dynamikwechsel nicht gesetzt, sondern erspürt werden. „The Changeling“ eröffnet das Album mit einem kantigen Funkimpuls, der Morrison’s Stimme wie einen fragmentierten Schatten durch den Raum zieht. Der Track wirkt wie ein Selbstporträt in hektischer Linienführung: Veränderung nicht als Pose, sondern als flüchtige Bewegung. „Love Her Madly“ bringt eine hellere Kontur ein, doch unter der Oberfläche vibriert eine Nervosität, die zur gegenwärtigen Lage der Band passt. 

Bei „Been Down So Long“ und „Cars Hiss By My Window“ bricht sich ein erdiger Blues Bahn, spröde und langsam, getragen von Scheff’s Bassfiguren, die sich mit Krieger’s Gitarre verschränken. Morrison’s vokale Präsenz verdichtet sich hier zu einem heiseren Flüstern, das zugleich Nähe schafft und Distanz hält. Der Titeltrack „L.A. Woman“ führt schließlich in die nächtliche Gleiten dieser Stadt: blinkende Vororte, drückende Hitze, jene Mischung aus Asphalt, Geschwindigkeit und Einsamkeit, die Morrison mit seinem „city of night“ beschwört. Die Band arbeitet sich in langen Bögen voran, rhythmisch verzweigt, textlich fast filmisch. „L’America“ lässt westernhafte Verschiebungen aufscheinen, während „Hyacinth House“ eine fragile Ruhe anschlägt, die dennoch von innerer Unruhe durchzogen bleibt. 

„The WASP (Texas Radio and the Big Beat)“ setzt den poetischen Monolog als instrumentale Verdichtung ins Zentrum, ein Sprechen im Puls elektrischer Linien. Den Abschluss bildet „Riders on the Storm“, ein Stück, das in seiner fast schwebenden Studiogestaltung eine Regenlandschaft aus Orgel, Gitarre und leisen Perkussionsverschiebungen entwirft – ein getragener Abgang, der die Spannung des Albums nicht löst, sondern weiterfächert. „L.A. Woman“ zeigt eine Band am Übergang, erschöpft vielleicht, aber erstaunlich klar im Instinkt. Der Urban-Blues, den die Doors hier entwerfen, ist weniger Rückzug als Eröffnung: ein Versuch, den eigenen Klang neu zu verorten, mitten im Lärm einer Stadt, die niemals zur Ruhe kommt.

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83
retro
1971
L.A. Woman
DU-0147-RO

Dieses Album ist innerhalb seiner Stimmung platziert und bewertet. Die folgende Auswahl zeigt Titel derselben Stimmung, die im Ranking darüber oder darunter liegen. Sie dient der Einordnung, nicht der Empfehlung.

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