The Dead Weather – Sea Of Cowards

Als hätte man es bereits kilometerweit gegen den Wind riechen können: The Dead Weather sind im Anmarsch, wälzen sich durch staubtrockene Prärie-Landschaften, schaufeln verschüttete Gitarren in unhaltbaren, schmutzigen Agressionen frei und fackeln damit wieder eine schwerliegende Schneise des Rock’n’Rolls nieder. Oder um es auf den berühmten Punkt zu bringen: The Dead Weather machen mit dem Opener ‚ Blue Blood Blues ‚ dort weiter, wo es damals mit ‚ Horehound ‚ zum vorzeitigen Erliegen kam. Doch die Kanonen wurden aufgeladen, die Munition ist in noch größerer Fülle vorhanden und das Adrenalin pocht durch allgegenwärtige Hässlichkeiten im streng-riechenden Hauch von Voodoo-Hokuspokus. Ja der Duft ist seit dem Debütalbum unverkennbar geworden. Mit vereinten Kräften vermischen sich auch dieses Mal die Einflüsse von Gitarrist Dean Fertita (Queens of the Stone Age), Bassist Jack Lawrence (The Raconteurs), Alison Mosshart (The Kills) mit denen von Jack White in hemmungsloser Lust.

‚ Hustle And Cuss ‚ flucht in schwüler Atmosphäre durch verschwitzte Hemden und bringt den Funkadelic zurück ins Jahr 2010. ‚ The Difference Between Us ‚ ist dagegen ein düsterer Auftakt mit einer grollenden Mosshart in bluesigen Synkopen White’s. ‚ I’m Mad ‚ lässt aufkreischende Synthies zu abgehackten Drums in unterirdischen Höhlen um Ihr Leben laufen. Doch die Gewinner, welche mit freudigen Blick das Ende des Labyrinths erreichen konnten, sind schlussendlich ganz andere. Nach dem Sieg über die Synthies steigen wir bei ‚ Die By The Drop ‚ in ein dunkles, gotisches Ambiente herab, das Klavier beginnt seinen mühsamen und scheinbar aussichtslosen Weg als Einzelkämpfer. Wird es das Ziel am Ende der langen Strecke erreichen? Genau wird man es auch am Schluss nicht sagen können, denn dazwischen passiert einfach zu viel. Allen voran natürlich die markanten und sperrigen Gitarren-Riffs von Jack White. Dazwischen ein verdammt eingängiger Rhythmus, den wir Jack Lawrence am Schlagzeug zu verdanken haben. Ihm gebührt ein ganz besonderer Part, er treibt die Melodie weiter, vollführt einen waghalsigen Spagat zwischen krachenden Refrains und stampfenden wie straighten Passagen einer flüchtenden Hetzjagd.

Oder mit anderen Worten: Es war schlicht und ergreifend der Song mit den eingängigsten Momenten. Warum den Track also nicht zur ersten Single küren? Dagegen spricht natürlich nichts, da besonders der Rest auf ‚ Sea Of Cowards ‚ für Liebhaber der echten Musik fast schon einem multiplen Orgasmus gleicht. Als Beispiel sei hier das unglaublich intensive ‚ Gasoline ‚ herangezogen: Das provokative, unheimliche, widerliche Monster mit seiner lieblichen und süchtig machenden Fassade. ‚ Jawbreaker ‚ stürmt wie eine White Stripes Nummer unter starkem Synthies-Einfluss durch ungehobelte drei Minuten. Insgesamt ist ‚ Sea Of Cowards ‚ wieder grausam kompliziert strukturiert, das experimentelle Donnern türmt über unseren Köpfen und verzieht sich erst mit dem abschließenden Track ‚ Old Mary ‚ und einem verwesenden, ominösen Gebet in die schmerzvolle Dunkelheit zurück. Es ist ein Totentanz im trüben Nachtregen. Ein Tanz der stimmungsvoller wirkt als noch zu Zeiten von ‚ Horehound ‚ und die Seele nun vollständig um die eigene Achse drehen konnte.