The Dodos – Time To Die

Sieht man die Dodos dieser Tage live auf der Bühne stehen, werden schnell zwei Dinge deutlich: Erst durch den neuen Vibraphonisten Keaton Snyder erhält die Band mit einem Schlag unglaublich viel Tiefe in den Dimensionen zugesprochen und zweitens steht die leicht beschämende Tatsache im Raum, dass die Dodos bevorzugt auf das ältere Material setzen, wie ‚ Fools ‚ oder ‚ Red And Purple ‚ und Ihre aktuellen Stücke aus dem vierten Werk ‚ Time To Die ‚ damit meist vollkommen übergangen werden. Trotz diesen negativen Anhaftungen ist und bleibt ein Konzert bei den Dodos eine äußerst elektrifizierende Angelegenheit. Natürlich wird die Band aus San Francisco mit der Marke netter Indie-Rock keine Revolution auslösen, aber es bleibt der perfekte Soundtrack für stille Sommernachtsabende mit einem Gläschen Wein in der Hand. Wäre da, um wieder zurück auf den Punkt zu gelangen, nicht die neue Platte ‚ Time To Die ‚.

Es war eigentlich schon immer verwunderlich, wie die Dodos überhaupt erfolgreich sein konnten. Schließlich ist Ihrer Formel Jahrzehnte alt und das meiste in Ihren Platten sind belanglose Stücke die sich zudem noch unglaublich ähnlich anhörten. Wie gesagt, mit der letzten Platte ‚ Visiters ‚ aus dem Jahr 2008 gelang Ihnen fast durchwegs alles. Die Musik klang natürlich, die exotischen Einflüsse nutzten die Dodos mit viel Energie und Kreativität, legten einen erstaunlichen Drang der Pop-Sensibilität an den Tag und erzeugten schnelle dynamische Veränderungen innerhalb der einzelnen Stücke. ‚ Time To Die ‚ hat das Anrecht solcher Beschreibungen verloren, nur manchmal blitzen noch die alten Stärken wie in ‚ Fables ‚ oder ‚ Troll Nacht ‚ auf und verbreiten zielstrebig den unangefochtenen Optimismus. Auch die damals hochgelobten Spielereien stehen auserhalb des Sinn und Zwecks. Sie dienten der puren Unterhaltung und feierten sich selbst in einer fröhlichen und befreiten Poplandschaft.

Und leider wurde auch das Experimentelle beiseite geschoben. Die Dodos klingen um ein gutes Stück reifer, abgeklärter und Ihre Haltung wirkt zurückgezogener. Sie zeigen deutlich weniger Interesse an der prügelnden Energie von ‚ Fools ‚ und verlassen damit Ihren Boden als einstige Roh-Diamanten. Angeblich hat sich das Trio in den letzten Wochen einer technischen Schulung unterzogen, doch wurde augenscheinlich das Kreative dabei vergessen. Sie verwalten Ihren Konsens bürokratisch, spielen ungefährliche Textzeilen, bleiben durchwegs nüchtern und spielen somit brav Ihre neun Stücke hinunter. ‚ Time To Die ‚ ist zurecht eine Platte, die bei den Liveshows gerne mal unter den Tisch fällt, da Sie für eine ausgelassene Feierstimmung nun wirklich nicht das richtige Mittel ist.