Gotan Project – Tango 3.0

Auch wenn die damalige Idee von Latin Melodien zu House und Dub Musik keine Neuerfindung des Gotan Project’s waren, gaben die drei Herrschaften Philippe Cohen Solal, Eduardo Makaroff und Christoph H. Müller dieser interessanten Clubmusik einen hervorragenden Spin mit der Single ‚ Triptico ‚ aus dem Jahr 2000. Es wehte der avantgardistische Geist Ihres Debüts ‚ La Revancha Del Tango ‚ durch ekstatische Elektronik in lebendigen Bildern und Klängen. Wobei wir an dieser Stelle bereits sagen dürfen, die elektronischen Spielereien wurden auf dem neuesten Studiowerk ‚ Tango 3.0 ‚ deutlich eingegrenzt. Und dennoch wirken die so geliebten Zutaten der letzten Werke, auch bei ‚ Tango 3.0 ‚ sehr präsent auf den Hörer ein. Beginnt die Platte mit einer Mischung aus traditionellen Tango und leichter Melanchole in ‚ Tango Square ‚, bietet ‚ Rayuela ‚ dann auch einen perfekten Einstieg in das „Comeback“ des französisch-argentinisch-schweizerischen Trios. Ein Song, der wie ein dampfend heißer Tag erklingt, müde Fliegen schwirren um unsere Gesichter und ein lieblicher Chor aus Kindergesängen begleitet das Gotan Project durch den anschmiegsamen Charakter von ‚ Rayuela ‚. Ebenfalls sehr gut gelungen sind die beiden Mid-Tempo Nummer ‚ Desillusion ‚ und ‚ Peligro ‚. Wobei letzteres wieder durch den exquisiten Beitrag von Sängerin Christina Vilallonga eine unglaubliche Aufwertung erfährt. Die erste Single ‚ La Gloria ‚ sampelt internationale Fußballkommentare von Victor Hugo Morales in leichten Hip-Hop Anleihen. Dazu finden das erste Mal auf ‚ Tango 3.0 ‚ die drückenden Synthies Ihren Auftritt. ‚ La Gloria ‚ bleibt nichts desto Trotz schwächste Singleauskopplung in der langjährigen Geschichte des Gotan Project. Besser macht es dagegen ‚ Mil Millones ‚ mit einer beruhigenden Gelassenheit in tiefsitzenden Beats, dazu Echo-durchnässte Landschaften in instrumentaler Atmosphäre und dem Hörer damit eine Vielzahl verlockender Schichten offenbart. ‚ Tu Misterio ‚ feat. Melingo ist ein weiterer uninspirierter Tiefpunkt auf ‚ Tango 3.0 ‚, dass auch durch den folgenden Track ‚ De Hombre A Hombre ‚ nur bedingt überdeckt werden kann. Zwar macht das folgende Stück alles richtig und erinnert wie ‚ Panamericana ‚ an herrliche Western-Zeiten, doch ist mittlerweile der persönliche Eindruck der neuen Platte auf ganzer Sicht in die Mittelmäßigkeit gerutscht. Denn auch ‚ El Mensajero ‚ und ‚ Érase Una Vez ‚ schwimmen durch Belanglosigkeiten. Doch man muss immer positiv denken und dabei das Gedachte laut aussprechen: Natürlich bietet ‚ Tango 3.0 ‚ seine Höhepunkte und sehr intensiven Momente, doch täuschen diese nicht über die schwache Gesamtleistung hinweg. Zumindest bietet das Album schlussendlich mehr Spielraum für die Zukunft- die hoffentlich nicht wieder vier Jahre auf sich warten lässt.