Eine unterkühlte Euphorie durchzieht diese nächtlichen Club-Ausflüge im psychedelischen Gewand. Die britische Band TEMPLES wagt auf ihrem fünften Studioalbum BLISS einen ästhetischen Richtungswechsel. Elektronische Texturen brechen die vertrauten Gitarrenwände zugunsten einer nostalgischen Rave-Kultur auf.
Der Abschied von der reinen Lehre des analogen Psychedelic-Rock vollzieht sich auf dem fünften Studioalbum der Band Temples mit einer bemerkenswerten Radikalität. Wo das von Sean Ono Lennon produzierte Vorgängerwerk „Exotico“ noch im detailverliebten, organischen Studio-Kabinett verharrte, bricht nun eine unterkühlte Maschinen-Ästhetik durch. Die Gruppe isoliert ihre traditionellen Songwriting-Muster, um sie durch Sampler und Loops neu zu kontextualisieren. Auf dem Cover weicht das gewohnte Bandbild einer stark farbgesättigten, in Bewegung verschwimmenden Unschärfe, die diese bewusste Abkehr von der authentischen Rock-Attitüde hin zu einer künstlichen Club-Anonymität visuell auf die Spitze treibt.
Die klangliche Neuausrichtung manifestiert sich in einer rhythmischen Härte, die den verträumten Melodien des Debüts „Sun Structures“ diametral entgegensteht. Anstatt komplexe Gitarrenwände zu schichten, dominiert eine repetitive 4/4-Struktur, die unmissverständlich an die europäische Rave-Kultur der späten Neunzigerjahre andockt. Im Opener „Jet Stream Heart“ artikuliert der Text diese Transformation präzise: „Don’t back down to the rhythm / Sound waves straight up to the heart“. Diese Zeilen fungieren nicht länger als Einladung zur klassischen Realitätsflucht, sondern markieren eine funktionale Unterwerfung unter den Takt der Elektronik. Stücke wie „Vendetta“ treiben diese Entwicklung weiter voran, indem sie tranceartige Synthesizer-Linien an die Stelle der einstigen Neo-Psychedelia setzen.
Die eigenhändige Produktion im Heimstudio beraubt das Material der früheren klanglichen Tiefenstaffelung, ersetzt diese stattdessen durch eine komprimierte Lautheit, die gezielt die Ästhetik alter Eurodance-Produktionen evoziert. Während „Megalith“ mit seinen ständigen Wendungen versucht, die alte Vielschichtigkeit in das neue Korsett zu retten, zeigt „Blue Flame“ eine fast melancholische Schwerfälligkeit. Hier wird deutlich, dass das Quartett die Leichtigkeit seiner psychedelischen Hochphase gegen eine monotone Club-Realität eingetauscht hat. Die Loops manipulieren das eigene Ausgangsmaterial, was zu einer faszinierenden, bisweilen sterilen Collage führt.
Mit „BLISS“ vollziehen Temples eine grundlegende Achsenverschiebung innerhalb ihrer Diskografie, die die Band von der historisierenden Rekonstruktion des Sixties-Psychedelia-Sounds hin zu einer technoide Strukturen nutzenden Pop-Abstraktion führt. Das Werk verschiebt den kreativen Fokus weg vom klassischen, texturierten Songwriting hin zu einer loopsbasierten, elektronisch dominierten Produktionsästhetik. Damit reiht sich das fünfte Album nicht als folgerichtige Evolution in das bisherige Gesamtwerk ein, sondern etabliert sich als ein formaler Bruch, der die Grenze zwischen analoger Rocktradition und digitaler Dance-Kultur innerhalb der Bandhistorie neu vermisst.
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