Taylor Swift – Folklore

Taylor Swift lässt ihre Komfortzone in der kopfdrehenden und herzzerreißenden „Folklore“ hinter sich.

Bis zu dieser Woche hatte Taylor Swift ihre Albumkampagnen mit der sorgfältigen Planung eines Militärgenerals durchgeführt. Hinweise wurden Monate im Voraus gestreut. Es gab versteckte Features in Medien, Bilderrätsel und obskure Social-Media-Referenzen. Für ihr achtes Album, das weniger als 24 Stunden im Voraus angekündigt wurde, hat man das ansonsten groß aufgezogene Spektakel komplett gestrichen. Dies ist eine unkonventionelle Platte – zumindest für den größten Popstar der Welt. Es ist auch brillant. Die Überraschung ist also geglückt und so haben wir mit „Folklore“ ein 16-Track-Album in einer holzigen Schwarz-Weiß-Ästhetik, das mit den Indie-Schwergewichten Bon Iver und Aaron Dessner von The National entstanden ist.

 

In „Folklore“ webt Swift einen Wandteppich, der aus Geschichten besteht, die nicht ihre eigenen sind, und überlagert Gesänge, Synthesizer und sanfte Streicher, um Geschichten über eine rachsüchtige Witwe, einen verliebten Teenager und ihren eigenen Großvater zu erzählen. Diese Geschichten anderer Charaktere und Perspektiven machen einen großen Teil der Aufzeichnung aus, aber es gibt auch noch Geister von Swift’s eigener Vergangenheit, die hier zu finden sind. Trotz der Fokussierung auf Lyrik und Songwriting auf diesem Album wäre es reduzierend, dies als Rückkehr zu ihren Wurzeln zu bezeichnen – selbst wenn sie sich voll und ganz auf bombastischen Pop à la „Reputation“ einließ, war das Songwriting immer da. 

 

In „Folklore“ geht dies tiefer, die Texte haben wieder Raum zum Bewegen und Atmen, und die Musik, die sich um die Geschichten schmiegt, wird hauptsächlich von Akustikgitarre und Klavier – statt prägnanter Pop-Hooks – bestimmt. Auf dieser Platte genießt Swift die riesige Diskographie, die sich hinter ihr verbirgt, selbst wenn sie die Geschichten anderer Leute erzählt: Auf „the 1″ bekommen wir einen Blick auf die witzige und verliebte Swift („it would’ve been fun / if you would’ve been the one“), während Bon Iver’s Zusammenarbeit auf „exile“ an „The Last Time“ erinnert, eine Zusammenarbeit mit Gary Lightbody, welches auf ihrem „Red“ Album zu finden ist. Es ist wirklich aufregend zu hören, wie sie Worte und Reime in eine verlorene Romantik mit der Flüchtigkeit des Spätsommers gleichsetzt, die neben diesen neu implementierten Indie Rock-, Dream Pop- und Folk-Einflüssen noch besser klingen.