SUZI QUATRO Freedom
Die Entschlossenheit des staubigen Highways: SUZI QUATRO zelebriert auf ihrem neuen Album FREEDOM eine vitale Rock-Rebellion, die weit über bloße Nostalgie hinausreicht. In Zusammenarbeit mit ihrem Sohn L.R. Tuckey gelingt der Künstlerin eine energetische Selbstbehauptung, die ihre jahrzehntelange Karriere mit druckvollem Sound und ungeschönter Haltung in die Gegenwart überführt.
Suzi Quatro markiert ihr Territorium nicht durch das sanfte Einschleichen in moderne Hörgewohnheiten, sondern durch die schiere kinetische Energie eines Basslaufs, der jede Diskussion über biologisches Alter hinfällig macht. Es ist eine strategische Setzung der Unbeugsamkeit, die sich in der Produktion von L.R. Tuckey als hochglanzpolierter, aber dennoch dreckiger Breitwandsound materialisiert. Diese Musik fungiert nicht als autonomes Kunstobjekt, sondern als konsequente Fortführung einer jahrzehntelangen Weigerung, die Lautstärke zu drosseln oder die Pose zu variieren.
Das Albumcover inszeniert dieses Selbstbild mit einer fast schon trotzkigen Deutlichkeit: Quatro auf dem Motorrad, die Faust in den glutroten Abendhimmel gereckt, den E-Bass wie eine Waffe geschultert. Es ist eine bewusste Überzeichnung der Rock-Ikonografie, die den Bruch zwischen der körperlichen Realität einer 75-jährigen Musikerin und dem unzerstörbaren Mythos der “Queen of Rock’n’Roll” nicht etwa kaschiert, sondern zum eigentlichen Thema erhebt. Die Künstlichkeit der Szenerie dient als Rahmen für eine Authentizität, die sich ausschließlich über den Willen zur Performance definiert.
In “Choose Yourself” weicht der anfängliche Vorwärtsdrang einer fast schon meditativen Bestimmtheit, während die Zeile „Life is too short, so choose yourself“ den programmatischen Kern der gesamten Veröffentlichung freilegt. Die früheren Erfolge der siebziger Jahre bilden hierbei lediglich die klangliche Kontrastfläche, vor der die heutige Stimme, die merklich an rauer Textur gewonnen hat, ihre volle Wirkung entfaltet. In “Little Miss Lovely” oder dem stampfenden “Can’t Let It Go” wird deutlich, dass die musikalischen Mittel – vom Cowbell-Einsatz bis zum Blues-Harp-Solo – streng im Dienst dieser lebenslangen Rollenfestlegung stehen.
Besonders in der Kollaboration mit Alice Cooper bei der Coverversion von “Kick Out The Jams” manifestiert sich die ästhetische Konsequenz dieses Spätwerks. Es ist kein verzweifeltes Greifen nach Relevanz, sondern die souveräne Verwaltung eines Erbes, das keine Entschuldigungen kennt. Dass die Produktion dabei jede Silbe und jeden Schlag präzise ausleuchtet, nimmt dem Material zwar die einstige Gefährlichkeit des Ungefähren, verleiht der Geste der Beharrlichkeit jedoch eine fast schon monumentale strukturelle Härte.
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