Kele – 2042

Mit „2042“ erleben wir die bislang ehrgeizigste Arbeit von Kele, der störanfällige Gitarren mit westafrikanische Beats kombiniert und sich erneut in das politische Geschehen einmischt. Kele Okereke ist wahrlich kein Fremder in der Politik. Er hat kürzlich Musik geschrieben, um das Anti-Brexit-Stück „Leave to Remain“ zu begleiten und das neue Album folgt diesen Ansätzen. Hier ist Kele zu seinen wilden experimentellen Wurzeln zurückgekehrt; Das Folk-geprägte „Fatherland“ aus dem Jahr 2017 fühlt sich jetzt wie ein fernes Echo an. Die bestärkte Beschallung von „2042“ spiegelt den überragenden sozialen Kommentar wider, während er die zerbrochene Welt untersucht, die seine Kinder erben werden. Kele erkundet 2019 die Antwort auf die Frage, was es heißt, schwarz, britisch und schwul zu sein.

Die erste Single „Jungle Bunny“ ist der natürliche, weltmüde ältere Bruder von „Hunting For Witches“, der in einer geschickten, dunklen Komödie die Ideen von Klasse und Rasse erforscht. Das Herzstück ist jedoch der emotionale Zustand der Nation in „Let England Burn“, der die Spannungen des Landes mit Verzweiflung und einer nervösen Energie zum Aufbegehren gegen knorrige Gitarren beobachtet. Was Kele als beunruhigend und verheerend ansieht, ist auf „2042“ sowohl ein Aufruf zum sofortigen Handeln als auch ein Manifest für einen zwingenden Wandel. Mit 16 Tracks unterschiedlicher Genres und Themen fühlt sich das Album jedoch manchmal aus musikalischer Sicht unzusammenhängend an. 

„Catching Feelings“ mit seinem atemberaubenden Falsett und dem romantischen Gitarrenriff ist dagegen zum Ende des Albums nochmals ein entwaffnend schönes Lied und auch „Natural Hair“ ist ein feiner Neo-Soul-Song über zwei verliebte schwarze Jungs. Es ist zweifellos eine bewusste, wenn auch irritierende Entscheidung, das Persönliche auf diese Weise mit dem Politischen in Einklang zu bringen und den ständigen Ansturm an Nachrichten und Aktualisierungen widerzuspiegeln, dem wir im digitalen Zeitalter gegenüberstehen. Kele lässt den Hörer auch nicht vergessen, dass das Politische für viele persönlich ist. Anstatt die beiden zu trennen, sucht er im Chaos nach Momenten der Zärtlichkeit. 

Diese meist allgegenwärtige Chill-out-Stimmung widerspricht somit dem Kernanliegen des Albums und so bleibt „2042“ die Arbeit eines versierten Songwriters, der Mühe im herrschenden Durcheinander hat, seine musikalische Stimme zu finden.