Summer Camp – Summer Camp

“This album is a statement of intent: this is us, take it or leave it…” so die Worte von Jeremy. Zusammen mit Elizabeth erscheint nun also das langerwartete zweite Album des Duos aus England. Doch blicken wir kurz zurück: bei Ihrem Debüt ‚ Welcome To Condale ‚ waren Summer Camp schon ein wenig spät dran, denn wir hatten zu diesem Zeitpunkt bereits ansprechenden Country mit Jenny And Johnny, die 60er Jahre eingetauchte Mädchengruppe Cults, den akustischen Folk von Big Deal (die nun ebenfalls seit einiger Zeit mit einem genialen Zweitwerk glänzen) und die schweren elektronischen Beats von Sleigh Bells. Mindestens ein Jahr später ertönten dann aber die Zeilen, „If you said you were not coming back/ I’d be so happy I’d laugh the whole night long”, aus dem Stück ‚ Better Off Without You ‚ und zugleich erwärmte uns die Gewissheit, dass Ihre romantischen Geschichten, die unterlegten optimistischen Töne und der eingreifende Drang in die Vergangenheit doch nicht vollkommen zu spät unsere Gehörgänge erreichten. Und weil Summer Camp in den letzten Jahren nicht die Kunst eingängiger Pop-Songs mit Niveau verlernt haben, erlebten wir vor weinigen Wochen mit der Single ‚ Fresh ‚ den vorzeitigen Höhepunkt aus dem selbst betitelten zweiten Album und man kam schlicht nicht drum herum, dem Disco-inspirierten Track mit seinen geschwungenen Donna-Summer-Saiten auf die Tanzfläche zu folgen. „No heartbreak has ever been as good/I’d rather be hurt by you instead.“ Erneut spürt man auch hier Ihre nostalgische Neigung des Duos, wenn zwischen Sehnsucht und Distanziertheit über die erste Liebe gesungen wird. ‚ Crazy ‚ ist dann ein klassisches Summer Camp Stück. Dröhnende Bässe, Synthesizer und entfernte Gitarren neben strahlenden Lichtern kreieren das Gefühl, sich gerade inmitten auf einer Party bei alten Freunden zu befinden. ‚ Keep Falling ‚ erinnert an Lilly Allen, während ‚ Two Chords ‚ sehr eindrucksvoll zeigt, wie einfach doch manchmal die eigene Weiterentwicklung aussehen kann. Summer Camp stecken hier den 50er Rock’n’Roll Schüssel in die Roboter-artige Motorik und tanzen im hellen Schein der Sonne durch den eigenen verzauberten Synth-Pop. “With this album, we pushed ourselves to be more open, to portray our own emotions honestly rather than using fictional characters. The process was difficult, tantrums were had, but ultimately we’re glad to have songs that more closely represent us, our friends, and being alive in this decade.” Zusammen mit Produzent Stephen Street (The Smiths, Blur) entstanden elf neue Songs, bei denen Summer Camp dann leider in der zweiten Hälfte zunehmend die guten Ideen abhanden kommen. ‚ I Got You ‚ mit der verzerrten Basslinie findet kein wirkungsvolles Konzept für den weiteren Verlauf, ‚ Everything Has Changed ‚ nervt gewaltig mit der Gitarre, dazu die aus der Luft gegriffenen Gesänge – es möchte sich daraus keine feste Konsistenz bilden. ‚ Phone Call ‚ und ‚ Night Drive ‚ verlieren daraufhin komplett jegliche Innovationskraft und so passiert es, dass uns mit dem versöhnlichen ‚ Pink Summer ‚ das (mittlerweile trotzdem dringlichst) herbeigesehnte Ende aus den letzten Minuten erlöst. Aber es bleibt dabei: das Duo schüttelt auch bei Ihrem selbst betitelten zweiten Album so manch phänomenale Sounds und üppig arrangierte Pop-Songs aus dem Handgelenk, deren Einladung zu einer längeren Verweildauer dringlichst angenommen werden sollte.

7.6