Steeple Remove – Electric Suite

Epileptisch blitzen uns grelle und im Sekundentakt wechselnde Farben panisch in die Augen, in der Mitte lässt sich ein unscheinbares weißes Wort erkennen, das in Kleinbuchstaben Hoffnung auf ein schnelles Ende in diesem Wahnsinn verspricht: „enter“. Hypnotisiert von den wahnwitzig blinkenden Kolorierungen und der baldigen Erblindung klicken wir kurz entschlossen darauf, Hauptsache fort aus diesem unliebsamen Bann und hinein in das beeindruckende Innenleben von Steeple Remove. Dort angekommen fällt als Erstes die anregende aber auch beruhigende Musik im dunkelschwarzen Gewand auf mit dem großen Hintergrund geheimnisvoll blinkender Lichter. Sie beginnen als kleine weiße Punkte und verwandeln sich schließlich in immer größer werdende Farbpigmente. Mal Blau, dann wieder im dunklen Gelb oder als einzelner herausragender Punkt umringt von vielen bunten Farbklecksen. Die Variationen scheinen grenzenlos, die Abwechslung verblüffend, das kreative Spektrum einzigartig. Doch noch viele viele andere Interessante und spannende Dinge verstecken sich dort… …Auf der interaktiven Homepage von Steeple Remove. Verstörende Soundschnipsel, Sounds älterer Stücke, Videos und Bilder. Im Grunde die alltägliche Ausstattung könnte man annehmen, doch diese wurde hier unglaublich perfekt in Szene gesetzt. Die Inszenierung, also das Einrichten und die öffentlich Zurschaustellung der Band übertrifft bei Weitem das gewohnte Bild einer Band dieser Größenordnung, wie Steeple Remove es derzeit sind. Denn so schön und beschäftigend Ihre Homepage auch sein mag, wie auslassend man darüber berichten möchte, die Platten können sich mit dieser Eigenschaft leider nicht rühmen. Sie versprühen zwar stets Ihre Lockstoffe mit einer großen Portion Abwechslung und verbringen das Leben nicht damit, erfolgreichen Sound bis in die bittere Ewigkeit peinlich zu zelebrieren, doch auch die wechselnden Veränderungen und Variationen aus den Bereichen Pop, Disco und Electro scheinen den Hörer nicht vollkommen zu überzeugen. Was also tun? Im Falle von Steeple Remove lautet die Devise ganz klar weitermachen in der überzeugenden Hoffnung, die Formel würde eines Tages gewinnbringend funktionieren. Dabei vollziehen die vier Franzosen auf ‚ Electric Suite ‚ einen wahrlich bravourösen und hochgradig ansteckenden Start. Unglaublich tanzbar und kompromisslos bewegt sich der Opener ‚ Radio Kill Surfers ‚ in atemberaubenden Tempo zielstrebig durch die Bassline betonten Klangwelten. Simpel der Aufbau, überzeugend die finale Umsetzung. Dieser Track bringt alle Ideale eines modernen Popsongs auf den berühmten Punkt. Sie lassen nichts auf der Strecke liegen und inszenieren raffiniert nach drei Minuten den plötzlichen Bruch. Die Wogen glätten sich, die Stimmung verfallt in einen sanften Rausch der Sinne und eine grenzenlose Entspannung legt sich wie ein breiter Teppich warm über den Hörer. Das Spektakel verklingt, Steeple Remove haben fertig. Was wir danach präsentiert bekommen, entspricht leider nicht mehr den hohen Anforderungen aus den ersten Minuten. Zu langatmig verfolgen die Franzosen aussichtslose Ziele, verfangen sich oftmals in unangenehmen Klangexperimenten, erzeugen atmosphärische Tiefschläger und glänzen auf Ihrer dritten Platte nur noch in ‚ Magnetosphere ‚ und ‚ Images ‚. Es bleibt zwar schlussendlich dabei, die Band hat Ihren besonderen Bonus in der umfangreichen musikalischen Auswahl, den Variationen sind tatsächlich keine Grenzen gesetzt und die Unberechenbarkeit kann Ihnen ebenfalls nicht abgesprochen werden, doch diese enorme Wucht wie aus Ihrem tadellos funktionierender Opener will am Ende nicht mehr ausnahmslos auf den Hörer überspringen. Was bleibt ist eine Platte mit weniger Gitarren, mehr Ausfällen und paar respektablen Einschlägen, die es aber in jedem Fall wert sind gehört zu werden.