Sarah Davachi – Pale Bloom

Eigentlich ist Sarah Davachi für ihren avantgardistischen Experimentalismus mit analogen Synthesizern, Orgeln und Holzbläsern bekannt. Doch auf dem neuen Album „Pale Bloom“ bläst Davachi den Staub von den abgenutzten und müden Tasten. Im Vergleich zu ihren elf früheren Veröffentlichungen mit elektroakustischer Orgel, wirkt das minimalistische Klavier in „Pale Bloom“ zweifellos symbolisch. Sie hat sich im Laufe der Jahre sowohl kreativ als auch technisch herausragend entwickelt und das Klavier war (und ist) Davachi’s erstes Instrument. 

 

In „Perfumes I – III“, dem Akt in drei Teilen, spielt es eine elementare, wenn auch letztendlich komplexe Rolle. Bevor das Album zu den anhaltenden Tönen zurückkehrt, die so viel von ihrer Arbeit ausmachen, wandert es zunächst durch das Feld der klassischen Komposition. Die Melodie auf „Perfumes I“ ist mollig, elegant, berührend – aber in dezenten Graustufen gehalten. Dramatischer als die Piano-Noten selbst ist die kalte Stille, die uns ummantelt und Sekunden lang festhält.

 

„Perfumes 2“ basiert auf der gleichen wiederholten Einzelnote wie das Vorangegangene. Der Unterschied liegt diesmal darin, dass die Stimme des Sängers Fausto Dayap Daos androgyn und gespenstisch am Rand des Songs schwebt. „Perfumes 3“ ist dicht und neblig, während das 24-minütige „If It Pleased Me To Appear To You Wrapped In This Drapery“ mit Bratsche und Violine spielt. Innerhalb von vierundzwanzig Minuten wechselt Davachi die Register von einem hohen Wehklagen zu einem traurigen Gebrüll. Das neue Werk ist letztlich leicht zu genießen, ein bisschen schwerer, sich darin zu verlieren. Es braucht Zeit, Geduld und ein Sofa in entspannter Atmosphäre.