Sarah Davachi – Cantus, Descant

SARAH DAVACHI ist eine kanadische Komponistin, deren auf anhaltende Klänge basierende Stücke Klangfarbe und Harmonie erforschen, insbesondere bei Synthesizern, und seit langem fasziniert von den endlos anpassungsfähigen synthetischen Eigenschaften der Pfeifenorgeln ist.

Seit der Veröffentlichung ihres Debüts „Barons Court“ im Jahr 2015 hat die in Calgary geborene Komponistin mit minimalistischer Komposition, mittelalterlicher Chormusik und elektroakustischen Klängen experimentiert, um eine eigenständige Mischung dieser Formen herzustellen. Während sie großzügig alle Arten von Instrumenten einsetzt, von analogen Synthesizern bis hin zu Violinen, ist die Orgel Davachi’s Grundlage und nutzt sie in „Cantus, Descant“ in großem Umfang. Das neue Album ist eine vielseitige Klangmeditation, die das Gewicht menschlicher Emotionen und die Schwerelosigkeit des Raums in Einklang bringt. Dieses Doppelalbum (das erste auf ihrem neuen Label Late Music) konzentriert sich auf alle Arten von Orgelpfeifen, Holzblasinstrumente, Elektro und kombiniert diese insbesondere mit Klavier und Streichern.

Wie bei den meisten Arbeiten von Davachi steht der harmonischen Komplexität nicht viel im Wege – der plötzliche Wechsel von Dur zu Moll in der langsam brennenden Etüde namens „The Pelican“ ist ungefähr so ​​aufregend, wie man es sich vorstellt. Ihre Interessen liegen eher in der Textur als in der Technik. Kirchenorgeln sind normalerweise für ihr Volumen und ihren Bombast bekannt, aber Davachi zieht es vor, die intimeren, atemloseren Eigenschaften jedes Instruments und die Art und Weise darin zu erforschen. In „Still Lives“ und „Hanging Gardens“ verwendet sie ein Bandecho, um eisige Effekte zu erzielen. In „Gold Upon White“ schwingen dunkle Orgeln angenehm mit dem überschneidenden Piccolo eines Mellotron. Auf dem außergewöhnlichen „Ruminant“ pocht eine Geige in fast den gleichen Frequenzen wie die Rohre eines Abzugsschachts. 

In zwei Tracks versucht sich Davachi auch als introspektive Singer-Songwriterin. Ihre zitternde, mit Effekten beladene Stimme verschmilzt mit der Orgel zu einer Einheit. Davachi hat in den letzten Jahren viel Musik in diesem Stil veröffentlicht. Sie ist beängstigend produktiv, aber mit „Cantus, Descant“ ist Davachi zu ihrer vielleicht reinsten Destillation dieser Ideale gekommen. Die Liebe zum Detail ist selbst eine Art Zeitsprung; In Ihrem geduldigen innehalten wird die Musik auch hier zu etwas völlig Neuem.