ROCHELLE JORDAN Through the Wall
Zwischen Glanz, Schatten und hypnotischer Ruhe: ROCHELLE JORDAN führt auf THROUGH THE WALL R&B, House und Pop zu einem nachtschwarzen Tanzkosmos zusammen, in dem Präzision und Verlangen eins werden.
Rochelle Jordan hat sich über die Jahre als Künstlerin etabliert, die nie mit Effekthascherei glänzen wollte, sondern mit Kontrolle. Schon 2012 erschien mit „Pressure“ ein unterschätztes R&B-Juwel, das ihr zwar Kritikerlob, jedoch kaum den verdienten Durchbruch brachte. Nach „Play With the Changes“ von 2021 markiert nun „Through the Wall“ den entscheidenden Moment, in dem sie ihre Stimme, ihre Referenzen und ihre Szene endgültig in eine eigene Sprache übersetzt. Auf siebzehn Tracks entfaltet sich ein Klangbild, das wie ein samtener Clubraum wirkt: gedämpftes Licht, verführerische Beats, eine Stimme, die nie schreien muss, um Aufmerksamkeit zu erlangen. „Don’t be afraid to take up space“, heißt es programmatisch gleich zu Beginn von „On 2 Something“, und genau darin liegt Jordans Kraft – im selbstbewussten Raumnehmen ohne Lautstärke.
Das Album ist durchzogen von Kollaborationen, die ihre Vielseitigkeit betonen. Mit Chicago-House-Veteran Terry Hunter baut sie in „Crave“ eine clubhistorische Brücke, während Jimmy Edgar „Bite the Bait“ in ein schimmerndes Electro-Gewand kleidet. Auch die Handschrift von KLSH, Machinedrum oder Hamdi ist spürbar: mal UK-Garage-Flair, mal kosmischer Funk, stets aber in einem Rahmen, der Jordan in den Mittelpunkt stellt. Auf „I’m Your Muse“ verwandelt sie ihre Stimme in ein Spiel aus Aufforderung und Distanz, während „Sweet Sensation“ eine fragile Süße mit kontrolliertem Feuer verbindet. Diese Klarheit hebt sie von Künstlerinnen wie FKA twigs oder Kelela ab, die das Genre oft an seine Ränder treiben – Jordan dagegen hält das Zentrum, ein pochendes Herz im Dunkeln.
Auch das Albumcover betont diese Haltung: ein Porträt im harten Schwarz-Weiß, das ihr Gesicht wie durch einen Spalt beleuchtet zeigt. Ein Bild, das Intimität und Distanz zugleich transportiert, so wie ihre Songs Nähe erzeugen, aber nie gänzlich preisgeben. Rochelle Jordan gelingt mit „Through the Wall“ ein Werk von bestechender Kohärenz, das Retro-Referenzen der 90er nicht nostalgisch wiederholt, sondern in einer hochglänzenden, modernen Ästhetik neu bündelt. Es ist ein Album für die Stunden nach Mitternacht, wenn die Körper müde, aber die Gedanken hellwach sind.
Transparenzhinweis: Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links. Bei einem Kauf erhält MariaStacks eine kleine Provision.
