Jenevieve – Division

Das Projekt mit dem Titel DIVISION zeigt die einzigartige Linse der Sängerin JENEVIEVE, durch die sie R&B kreiert; es ist alles lila und rosa im Farbton. Die Musik hat einen Hauch von Glitzer, eine Retro- und verträumte Atmosphäre, die das gesamte Projekt herrlich durchdringt.

Das Debütalbum „Division“ spielt sich wie eine Hommage an die Sammlung gebrannter CD-Mixe ihrer Eltern ab, eine Zeitreise durch Jahrzehnte Musik mit sorgfältig ausgewählten Referenzen, die von Produzent Jean Benz gefiltert wurden, der auch als Songwriting-Partner von Jenevieve fungiert. „Division“ ist zugleich ein reines Solowerk, es sind keine Features zu finden. „Midnight Charm“ ist ein frühes Highlight – ein glühend heller Track mit etwas von der federnden Unwiderstehlichkeit von Ella Mai’s „Boo’d Up“, einem der größten R&B-Hits der letzten Zeit. Dieser Song basiert auf einem arpeggierten Synthesizer, der auf den Beat knallt, einem melodischen Rückgrat, das sowohl von Prince in seiner Purple Rain-Ära als auch von The-Dream bevorzugt wird. Bass spritzt über dieses schimmernde Fundament, und ein stetiges Rinnsal von Hi-Hats bahnt sich einen Weg nach vorne; der Beat ist vernichtend einfach und fast überwältigend fröhlich. „Medallion“ ist ein schleichendes Hip-Hop-Soul-Gelübde des Schutzes; der marschierende Bass des ohnmächtigen „No Sympathy“ erinnert an eine 80er Jahre Whitney Houston.

Das wässrige „Exit Wounds“ möchte Miguel oder Marvin Gaye verpflichtet klingen, je nach Alter der Zuhörerin. Anstelle von ästhetisch-kratzenden Gesten wirken diese Songs als modernisierte Interpretationen der Musik, mit der die Sängerin aus Miami aufgewachsen ist. Jenevieve hat aus der Vergangenheit gelernt, über Liebe zu erzählen, aber sie findet Wege, ihren Liedern moderne Noten hinzuzufügen und etablierte Formeln anzupassen. Meist erinnert ihr Stimmton an Syd’s ungebändigte Coolness. Das Album beginnt mitten in einem nebligen Tagtraum, in dem sie von einem brennenden Himmel singt, der auf Atlantis und ewige Liebe trifft. Manchmal erfindet Jenevieve Zeilen, die Gefühle und fantasievolle Szenen über greifbare Beschreibungen stellen, als ob sie sich in den Klang eines Wortes über seine Bedeutung verliebt hätte. Wenn sie „melanin swims“ singt, ist es, als würde man einer Mitbewohnerin zuhören, die gerade in die Astrologie eingestiegen ist und über aufsteigende Zeichen und Sternzeichen philosophiert. Ihr skurriles Songwriting ist nicht so daran interessiert, den Moment zu reproduzieren, sondern neue zu kreieren. 

Sie sieht Tauben am strahlend schwarzen Himmel, seelenlose Seelen und sanfte Augen, die hypnotisieren, keine Exmänner, die sie einst liebte. „I have feelings / I can not describe,“ beklagt sie dem wie ein Schlaflied anmutenden Schlusstrack, der wie eine Art Ode an das Missverstandene und Ignorierte wirkt. “It’s hard to see it through those eyes.” Jenevieve kombiniert auf „Division“ eine ekstatische Stimmung mit betörenden Texten, als hätte noch niemand, den sie kennt, jemals derartigen Herzschmerz erlebt.

8.6