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PINK FLOYD More

1969

PINK FLOYD öffnen auf MORE neue Räume: ein Soundtrack zwischen akustischer Klarheit, elektrischer Rauheit und vorsichtiger Neuorientierung.

Pink Floyd präsentieren sich 1969 erstmals vollständig ohne Syd Barrett, zugleich mit einer ungewohnten Aufgabenstellung: Musik zu bewegten Bildern, nicht zu einer geschlossenen Studioidee. „More“ wirkt wie ein Labor, das zwischen akustischen Miniaturen und härteren Gitarrenstücken pendelt, zugleich aber eine neue Ruhe im Zusammenspiel zeigt. David Gilmour’s Gitarrenlinien klingen entschiedener, doch weniger ornamentiert als erwartet, während Roger Waters’ Texte die Szenen des Films eher begleiten als kommentieren. Das Album öffnet einen Zwischenraum: experimentell, aber nicht luxuriös; frei, aber nicht ziellos.

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Die Aufnahmen zu „More“ entstanden in kurzer Zeit in London und orientierten sich streng an Barbet Schroeder’s Filmmaterial, das den Londoner Kreisen der späten Sechziger ein europäisches Gegenbild entgegenschob. Diese Produktionsweise wirkt im Album spürbar: Die Stücke sind oft knapp gebaut, manche improvisiert und auf bestimmte Längen getaktet. Der Wechsel zwischen akustischen Stücken wie „Green Is the Colour“ oder „Cymbaline“ und den elektrisch verdichteten Passagen von „The Nile Song“ oder „Ibiza Bar“ erzeugt eine Struktur, die weniger nach Albumdramaturgie klingt, eher nach einem Mosaik, in dem die Bilder des Films weiterwirken. 

Das Cover zeigt zwei Figuren vor einer Windmühle, farblich in ein psychedelisches Orange und Blau getaucht, das an die wärmere, weniger nächtliche Seite der europäischen Festivalästhetik erinnert, die sich parallel zum Londoner Underground etablierte. Diese Farbverschiebung findet eine Entsprechung in den Songs, die zwischen stiller Atmosphäre und härteren Ausbrüchen changieren. In „Cirrus Minor“ entfaltet sich eine langsame, weite Fläche, getragen von Orgel und Vogelklängen, die fast wie eine Beobachtung am Rand des Films wirkt. Die akustische Gitarre in „Crying Song“ öffnet eine gelassene Linie, während Vibraphon und Bass wenig Druck, aber viel Raum lassen. „Up the Khyber“ nutzt perkussive Antriebe und Orgelattacken, die sich deutlich von den bisherigen Studioversuchen der Band absetzen: improvisiert, aber präzise auf Bewegung berechnet. 

Dass Gilmour auf „More“ sämtliche Gesangsparts übernimmt, schärft das Bild einer Gruppe, die sich neu sortiert, ohne ihren offenen Ansatz zu verlieren. Die schwereren Gitarren von „The Nile Song“ kündigen eine Richtung an, die im Londoner Umfeld der Clubs bereits häufiger zu hören war, jedoch überrascht, weil sie hier ohne festes stilistisches Ziel erscheint. „Quicksilver“ und das nach außen geöffnete „Main Theme“ verwenden Orgel, Hall und Verzerrung als Textur, nicht als dramatische Zuspitzung, wodurch der Eindruck entsteht, die Gruppe teste Formen, die später vielleicht ausgearbeitet werden könnten – ohne dass „More“ selbst diesen Anspruch verfolgt.

Als Soundtrack erfüllt das Album seine Funktion, ohne sich dem Film unterzuordnen. Es begleitet, aber illustriert nicht; es öffnet atmosphärische Zonen, die eher Beobachtungen gleichen als dramatische Setzungen. In dieser Mischung zeigt sich, wie Pink Floyd 1969 klingen können, wenn sie sich ungezwungen an Material binden, das sie nicht selbst entworfen haben, und dabei doch eine eigene Handschrift bewahren.

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78
verfremdet
1969
More
VE -0374- RO

Dieses Album ist innerhalb seiner Stimmung platziert und bewertet. Die folgende Auswahl zeigt Titel derselben Stimmung, die im Ranking darüber oder darunter liegen. Sie dient der Einordnung, nicht der Empfehlung.

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