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SOFT MACHINE Thirteen

2026

THIRTEEN von SOFT MACHINE entfaltet eine meditative Tiefe, welche technische Perfektion sowie atmosphärische Leichtigkeit vereint. Das Album bündelt sechs Jahrzehnte Bandgeschichte in einer modern produzierten Werkschau, die den Geist der Canterbury-Szene in ein zeitgenössisches Klanggewand hüllt.

Die Entscheidung, den Namen Soft Machine im Jahr 2026 weiterzuführen, markiert keinen nostalgischen Rückzug, sondern eine bewusste Neubesetzung historischer Klangräume unter zeitgenössischen Vorzeichen. Die aktuelle Formation agiert aus einer Position der souveränen Verwaltung ihres eigenen Erbes. Diese strategische Setzung entzieht sich der Notwendigkeit einer Avantgarde-Provokation; vielmehr dient die jahrzehntelange Diskografie als Materiallager für eine Musik, die sich primär über ihre technische Exzellenz sowie eine bemerkenswerte Glätte definiert.

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Das Albumcover visualisiert diese Zersplitterung der Identität durch das farbgewaltige Profil eines Kopfes, dessen Konturen in einer diffusen Lichtaura aufgehen. Diese visuelle Inszenierung einer multiplen Präsenz thematisiert den Bruch zwischen der kompositorischen Intimität einzelner Mitglieder wie Theo Travis sowie dem monumentalen Selbstbild einer Institution, die seit sechzig Jahren besteht. “Thirteen” verzichtet auf die herbe Kantigkeit von Werken wie “Third”; es etabliert stattdessen eine Ästhetik der Zugänglichkeit, bei der selbst experimentelle Ausflüge wie “Seven Hours” in einem sicher gefassten Rahmen verbleiben.

In “The Longest Night” manifestiert sich die Absicht, progressive Epik durch eine fast mathematische Präzision zu ersetzen. Das Stück nutzt Hammond-Texturen sowie Mellotron-Klänge als vertraute Signale, bettet diese aber in eine sterile, moderne Produktionsumgebung ein, die jede Spur von Schmutz oder Unvorhersehbarkeit eliminiert. Die kompositorische Dominanz von Travis sorgt für eine formale Disziplin, welche die improvisatorische Freiheit früherer Dekaden einer klaren Dramaturgie unterordnet. John Etheridge nutzt sein Instrument hierbei weniger als Werkzeug der klanglichen Revolte, sondern als Träger einer hochgradig kontrollierten Virtuosität.

Die Einbindung von Daevid Allen in “Daevid’s Special Cuppa” fungiert als klangliche Brücke, die den historischen Kreis schließen soll, ohne die moderne Ausrichtung zu gefährden. Dass die Glissando-Gitarre erst Jahre später in einen tribalistischen Kontext eingebettet wurde, unterstreicht den konstruierten Charakter dieses Werks. “Turmoil” bricht kurzzeitig aus der geschmeidigen Gesamtstimmung aus, nutzt verzerrten Bass sowie hektische Soli allerdings eher als Zitat von Unruhe denn als tatsächlichen strukturellen Kollaps. Fred Thelonious Baker sowie Asaf Sirkis bilden ein rhythmisches Fundament, das durch seine unerschütterliche Stabilität besticht.

Die ästhetische Konsequenz dieser konsequenten Selbstverortung liegt in einer beispiellosen Entspannung des Klangbildes, welche die Reibungskräfte der Gründungsjahre endgültig hinter sich lässt. Soft Machine transformieren sich auf “Thirteen” von einer treibenden Kraft des Umbruchs zu einem hochkarätigen Ensemble für klangliche Perfektion innerhalb festgesteckter Genregrenzen.

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78
abstrakt
2026
Thirteen
VE -0371- TK

Dieses Album ist innerhalb seiner Stimmung platziert und bewertet. Die folgende Auswahl zeigt Titel derselben Stimmung, die im Ranking darüber oder darunter liegen. Sie dient der Einordnung, nicht der Empfehlung.

portrait
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