Palma Violets – 180

Würde man The Libertines, The Clash und Echo & The Bunnymen in ein Behältnis füllen und danach mit dem Mixer alles fein durchpürieren, es täte ein wunderlich verdrehter Geschmack dabei heraus kommen. Doch vorsicht! Es würde auch Suchtgefahr nach dem ersten Schluck entstehen. ‚ Best Of Friends ‚ der Palma Violets ‚ ist ohne Frage eines der eingängigsten Gitarren-Lieder der letzten Jahre. Der NME machte natürlich daraus gleich, „The best new guitar band in Britain“ und ausnahmsweise muss man mit knirschenden Zähnen zustimmen. Die Schwätzer haben ein paar wahre Zeilen in Ihre Klatschzeitung gedruckt – vielleicht war es auch nur dem Zufall geschuldet – doch unabhängig davon bleiben die Palma Violets eine aufregende und nachhaltige Erscheinung. Schon jetzt. Denn Ihre bereits angesprochene Debütsingle ‚ Best Of Friends ‚ klimpert mit einfachsten Lo-Fi Gitarren-Riffs durch einen hämmernden Ramones/ Jesus & The Mary Chain-ähnlichen Sound, während ein Sam Fryer in bester Strummer Manier brüllt: „I wanna be your best friend, I don’t want you to be my girl“ Das zweite Stück ‚ Step Up For The Cool Cats ‚ versprüht englische Melancholie durch die Lüfte und hier zeigen uns die Palma Violets: sie tanzen nicht nur auf den Wogen des temperamentvollen Pöbels. ‚ All The Garden Birds ‚ ist dagegen voll mit romantischen Verwicklungen und eine belagernde Hymne für alle gebrochenen Herzen dort draussen. Zudem bietet das Stück eine traumhaft schöne zweite Hälfte zum grenzenlosen dahinschwelgens. Ähnliches gilt auch für den letzten Song ‚ 14 ‚, während ‚ Rattlesnake Highway ‚ in den ersten Sekunden The Clash huldigt und dann mit Surf-Rock Gitarren in die 50er Jahre abtaucht. Es ist natürlich schamloser Retro-Sound, aber so verdammt charmant, dass einem über die gesamte Länge der Platte ein großartiges Gefühl begleiten wird. Einen beträchtlichen Teil dazu trägt auch Ihr stacheliges ‚ Chicken Dippers ‚, welches sich in einen überschlagenden Refrain stürzt und danach den Hörer schelmisch von der Seite angegrinst. ‚ 180 ‚ ist ein typisches Debüt. Rotzfrech, unbekümmert und rechtfertigt keinen Hype. Es ist einfach das perfekte Album einer jungen Band, die mit grollendem Bass, Orgel, Gitarre und Schlagzeug in den nächsten Monaten durch die Welt tingeln wird. In ‚ Tom The Drum ‚ wird dann die Stimme von Fryer plötzlich ganz tief und mit ununterbrochener und unaufhaltsamer Kraft wird der Rock’n’Roll der Palma Violets durch Ihre instinktive Gabe für den richtigen Moment in unsere Gehörgänge katapultiert. Was sich jedoch auch immer wieder bemerkbar macht, ist der Mangel an Konzentration. Mit anderen Worten ausgedrückt, spiegeln sich diese Umstände in Ihren Strukturen wieder. An dieser Stelle mag es zu den Libertines nicht reichen. Aber die fast grenzenlose Naivität der Palma Violets wird durch den unwiderstehlichen Charme in die dukle Unachtsamkeit verdrängt. ‚ 180 ‚ ist nicht nur ein schneller Blick, sondern der deutliche Abdruck einer Gruppe, die sich hoffentlich in den nächsten Jahren im Musikgeschäft etablieren wird. Es wird schwierig, da bekanntlich viele aufstrebende junge Talente bereits früh gescheitert sind. Beispiele dafür gibt es ja leider reichlich…