Bleached – Ride Your Heart

Nach dem Zwillingspaar Tegan Rain Quin und Sara Kiersten Quin, den beiden Schwestern Colette und Hannah Thurlow aus London, folgen jetzt Jennifer und Jessie Clavin von Bleached aus Los Angeles. Zuvor spielten sie in der Punk-Band Mika Miko und nach dieser Zeit ging Jennifer nach New York, spielte in anderen Bands und ging auf Tour, ähnlich erging es Jessie in Los Angeles. Doch sie fanden wieder zusammen und nahmen als Bleached ihre erst 7“ auf. „Es war verrückt für mich in einer Band von jemand anders zu sein“, sagt Jennifer. „Wir sind sehr stolz und glücklich uns nun wieder zusammen auf unsere eigene Musik fokussieren zu können.“ Auf Ihrem Debüt hören wir nun sommerlichen 60s Girl-Group Pop in müheloser Lässigkeit. Ihr Stil lässt Gedanken an die Dum Dum Girls, Wavves oder Best Coast aufkeimen, wenngleich Bleached besonderen Wert auf pulsierende Direktheit und reduzierte Akkorde legen. Man darf also keine übermäßige Abwechslung erwarten, dafür dichtgedrängte und ästhetisch aufgereihte Neuinterpretationen über Liebe und Verluste aus der 60/70er Jahre Punk-Ära. Das eröffnende Stück ‚ Looking For A Fight ‚ ist ein brillant in Szene gesetzter Song, so simpel wie genial. Klingt dagegen ein Track wie ‚ Dreaming Without You ‚ wie ein hervorstechender Emporkömmling, so ist ‚ Looking For A Fight ‚ die perfekte Klammer, welche das Gesamtwerk ausgezeichnet in unseren Gehörgänge befestigt. ‚ Next Stop ‚ wird dagegen mit schweren und knallharten Drums befeuert, melodische Bewegungen schlengeln sich über die reibenden Gitarren und der 77er Jahre Punk küsst leidenschaftlich den sonnigem süd-kalifornischen Vintage Rock’n’Roll. Nach diesen beiden Nummern ist es nur verständlich, dass durch das gemäßigte ‚ Outta My Mind ‚ ein Bruch erfolgt. Seelenvolle Nostalgie philosophiert über psychedelische Trägheit, während ‚ Waiting By The Telephone ‚ einmal mehr haltlos durch die Rhythmen stürmt und mit berauschender Leichtigkeit die geschwungene und emotionale Achterbahnfahrt bewältigt. Heimlicher Höhepunkt der Platte ist aber ‚ Love Spells ‚ mit seinen griffigen Gitarren-Riffs, den hüpfenden Melodien und spaßigen Surf-Rock Anleihen. Zuckersüße Momente reiten auf einer infektiösen Spur – zusammengesetzt von zwei äußerst harmonischen Musikerinnen und Songwriterinnen. ‚ Dead Boy ‚ poltert dann noch wie ein unrasiertes Damen-Schienbein durch davontragende Teenagerträume und mit ‚ When I Was Yours ‚ befinden wir uns kurz darauf in einem gebührenden Schluss, die Nostalgie keimt ein letztes Mal auf und nach vier Minuten erlischt der rebellische Geist für’s erste. Doch ist es kein Grund zur Panik. Bleached haben einen Weg gefunden, die kognitive Dissonanz in der Popmusik zu umgehen und dabei noch mächtig viel gute Laune zu verbreiten. Hörenswert!