O Children – Apnea

Am heutigen Tage möchte ich ein längst überfälliges Versäumnis nachholen: die Kritik zum zweiten Album ‚ Apnea ‚ von O. Children. Die Gründe für diese verspätete Besprechung wollen auch mir nicht mit logischen Worten verständlich gemacht werden. Aber da es uns derzeit sowieso an hochwertigen Veröffentlichungen mangelt, kommt diese geistige Erscheinung exakt zum richtigen Zeitpunkt. Denn O. Children beweisen nach Ihrem selbstbetitelten Debüt erneut mit Ihrem Blick in die Düsternis, wie klaustrophobischer und morbider Post-Punk funktionieren muss. Bereits das eröffnende Stück ‚ Holy Wood ‚ knüpft am ersten Album an und gießt schreiende Unheimlichkeiten in eine gotische Form – dort am Ende des Tunnels erwartet uns jedoch ein heller Schein: er verführt uns mit tanzbaren Melodien, engen und eingängigen Rhythmen. ‚ I Know Your Love Me ‚ klingt wie Leonard Cohen aus den 80er Jahren unter Verwendung eines Dave Fielding Gitarren-Riffs. ‚ The Realist ‚ ist eine echte Anti-Hymne geworden und lässt uns durch O’Kandi im Refrain wissen: „I’m looking for something that I believe in.“ Leider gingen O. Children mit Ihrem Debüt ein wenig in der Londoner Szene unter. Vielleicht lag es auch daran, dass die Band noch versuchte das wahre Selbst zu entdecken. Es gibt natürlich keine Zweifel an den markanten und wohlklingenden Tönen von Tobi O’Kandi – doch auch wenn es nicht unbedingt ein gefährliches Dilemna ist, kann es doch in Zeiten wie diesen zu einem Problem werden. Auf ‚ Apnea ‚ suchen O. Children weiter. Zugleich stammt der Name aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „den Atem anhalten“. Es ist eine kräftige Absichtserklärung, wenn man diese wörtlich nehmen möchte. Also bleibt erstmal alles beim Alten. Die zweite Platte besticht durch ein hervorragendes Niveau und erreicht Ihren Höhepunkt im Stück ‚ Red Like Fire ‚, wenn die Disintegration aus The Cure und dem Chor aus ‚ Black Hole Sun ‚ von Soundgarden aufeinanderprallen. ‚ Apnea ‚ scheint mühelos und ist trotzdem ein hartes Stück Arbeit gewesen. Durch die eigene Suche bleibt weiterhin die Chance bestehen, mit neuen Ideen zu experimentieren und so die Zutaten für Ihren Sound zu finden. ‚ Apnea ‚ ist eine gute Plattform dafür und so erleben wird nach ‚ Oceanside ‚ keineswegs eine erneute Aufarbeitung der 80er Jahre, sondern vielmehr die sanfte Verschiebung in den weichen Indie-Rock mit Elementen aus der Pop-Musik. Ausnahme hierbei ist natürlich das von Synthesizern getragene Stück ‚ H8 City ‚ gegen Ende der Platte. Insgesamt orientieren sich die elf neuen Songs in Richtung Tanzfläche, wenngleich sehr zaghaft und mit viel Poesie zwischen den Zeilen. Und aus diesem Grund sollte ‚ Apnea ‚ gefeiert werden. O. Children legen auch weiterhin Wert auf tiefgründige Strukturen und einen verwitterten, aber widerstandsfähigen Optimismus der bemerkenswert überzeugend wirkt.