Tricky – Fall To Pieces

FALL TO PIECES ist ein Dokument für Verlust und Tragödie. Dieses akustische Blutvergießen ist keineswegs ein einfaches oder lustiges Hören, sondern eine Einladung, mit TRICKY zu trauern.

Als Autodidakt, der offen über sich selbst sagt, dass er nicht singen, kein Instrument spielen, oder tanzen kann, scheint seine Fähigkeit, etwas aus dem Nichts zu machen – der Kern der Hip-Hop-Kultur – tief in ihm verwurzelt zu sein. In deutlichem Gegensatz zu einem reichen Oeuvre, das stilistische Selbstsicherheit mit unzähligen Kollaborationen verbindet, sind es oft die asketischsten Momente der Selbstbeobachtung und die abgespeckten Produktionen, die seinen sechsten Sinn für den Rhythmus und den emotionalen Ton zeigen. Und doch bringt das intuitive Handeln eine Reihe einzigartiger Herausforderungen mit sich. Seine eigenen Gesangsbeiträge und Songs auf ein Minimum zu beschränken, scheint auf einem autobiografischen Album, das stark von der Atmosphäre voller Trauer abhängt, nicht intuitiv, sondern eher ungewöhnlich. 

Und so entstehen gelegentlich Timing-Probleme, die sich am offensichtlichsten in dem ergreifenden Eröffnungsstück „Thinking Of“ offenbaren, dem Schlachtruf „Close Now“, dem flüchtigen „Chills Me To The Bone“ und dem eindrucksvollen „Running Off“ mit Oh Land, das nach den ersten acht Takten sein Ziel verliert. Alle hätten noch mindestens ein paar Minuten und paar Strophen gebraucht, um ihr volles Potenzial auszuschöpfen. Tricky tut sein Bestes, um Zeilen wie „I hate this fucking pain“ (auf dem spärlichen Klavier-Sample von „Hate This Pain“) bestmöglich auszudrücken. Zum größten Teil werden seine Gefühle jedoch von den Mediatoren Marta Złakowska und Oh Land übernommen, die Tricky dabei helfen, alles auszudrücken, was er seiner Tochter nicht direkt sagen kann. 

Während Złakowska den Großteil der Gesangsaufgaben erledigt, sind Oh Land’s Doppelschläge von „Running Off“ und „I’m in the Doorway“ Höhepunkte, die dringend benötigte emotionale Erleichterung bieten. Keine Kunstform ist exakte Wissenschaft, am allerwenigsten Musik. Und auch nicht jeder Song auf „Fall To Pieces“ ist es wert, gehört zu werden. Gleichwohl heben die vielen rohen Emotionen von Tricky, die einprägsame und authentische Veröffentlichung merklich hervor.