Miley Cyrus – Plastic Hearts

Von Anfang bis Ende kleidet PLASTIC HEARTS eingängige, von den Achtzigern inspirierte Popmelodien in enge Lederröcke, lässt sie ein paar Wheelies drehen und den Tacho voll ausschöpfen. Es ist im Grunde eine Lastwagenladung voll Spaß, angetrieben durch das rücksichtslos offene und seelentragende Charisma der MILEY CYRUS.

Miley Cyrus holt mit ihrem siebten Studioalbum „Plastic Hearts“ zu einem ordentlichen Schlag aus. Cyrus rollt nahtlos in ihre neue Ära des von Pop-durchdrungenen Country Rock, unterstützt durch die Gesänge von Dua Lipa, Billy Idol und Joan Jett. Die neueste Platte ist ein Ansturm von Power-Balladen im glamourösen Stil der 80er Jahre, die mit streifenden, traurigen Momenten und dem schlängelnden Gifthauch des Teufels verflochten sind. Auf „Plastic Hearts“ ist Cyrus zudem offener und ehrlicher in Bezug auf ihr persönliches Leben als je zuvor. Tracks wie „Hate Me“ und „Never Be Me“ sind sowohl lyrisch witzig als auch aggressiv, da sie in ihre früheren Beziehungen eintaucht und ohne Entschuldigung die Notwendigkeit betont, weiterzumachen. 

Ihr Selbstvertrauen ist ein Highlight, wird aber manchmal von großen Tanznummern wie „Prisoner“ (mit Dua Lipa) und „Gimme What I Want“ überschattet. Langjährige Fans mögen diese Beiträge zu schätzen wissen, aber für die meisten Menschen gibt es hier nichts neues zu hören, was nicht schon im Radio bis zum Erbrechen gespielt wurde. Das Album erreicht seinen Höhepunkt, als Cyrus endlich Retro-Rock-inspirierte Kollaborationen mit Billy Idol und Joan Jett liefert. Diese beiden Rock-Champions der 1980er-Jahre geben der Platte ein geschärftes Profil und bringen Cyrus endlich in die Richtung, in der viele Fans sie seit Jahren schon sehen wollen. „Midnight Sky“ ist ebenso phantastisch und womöglich das Beste, was sie jemals aufgenommen hat – eine glitzernde Disco-Hymne aus den 80ern.

Cyrus vermittelt in ihren Texten eine flotte und ermutigende Ehrlichkeit, während sie über Liebe, Schuld, Sucht und über gebrochene Herzen nachdenkt. Ungewöhnlich für ein relativ langes Album, sind tatsächlich nur sehr wenige Lückenfüller zu finden – und ausnahmsweise sind die „Bonustracks“ hörenswert – insbesondere das aufregende Cover von Blondie’s „Heart Of Glass“ mit einer besonders stürmischen Stimme. Für eine Künstlerin, die während ihrer gesamten Karriere mit dem Begriff der Identität gespielt hat, schien Miley Cyrus in den letzten Jahren seltsam anonym und leblos zu sein. „Plastic Hearts“ ist der Sound einer wiederbelebten Künstlerin – und diese neue Identität könnte ihre bisher erfolgreichste sein.

7/10