Marybell Katastrophy – Amygdala

Wenn ich Marybell Katastrophy höre, dann denke ich jedes Mal an ‚ Slabiak ‚ aus dem letzten Album ‚ The More ‚ von 2009. Eigensinnige Melodien und herrlich schräge Töne im Refrain. Eine Wohltat für den individuell geschulten Musikgeschmack. Nun erscheint also mit ‚ Amygdala ‚ das neue Album von Marybell Katastrophy und die dazugehörige purpurfarbene Picture Vinyl Disk passt beispielsweise perfekt auf den zweiten Track und erste Single ‚ There Is No Rhino In This Room ‚. Ein breitwandiges Klanggemälde mit leichten Verwerfungen an der gefrorenen Oberfläche zu glasklaren Klängen. „If you wanna know: there is no rhinoceros in this room/ when we sleep in the corner/ we are a little more lonely and beautiful now.“ Es werfen tänzelnde Rhythmen Ihre glitzernden Schatten in das elektronische Klanguniversum und verabschieden sich zugleich vom eigenwilligen Abgrund des vielschichtigen Spektrums vergangener Tage. Eine große Überraschung erlebte die Band bestehend aus Marie Højlund (Tiger Tunes Keyboarderin), Emil Thomsen (Produzent von Nils Frahm), Q und Jakob Schweppenhäuser zudem erst vor kurzem: Als einzige nicht-englische Band wurden die beiden von The Libertines darum gebeten, innerhalb 24 Stunden ein Remake einer ihrer Songs aus ‚ Up The Bracket ‚ für eine 10-jährige Jubiläums-CD zu machen, welche mit dem Musikmagazin NME veröffentlicht wurde. Aber zurück: leider ist währenddessen nicht mehr viel spannendes passiert. Erst mit ‚ Seven ‚ drehen Marybell Katastrophy wieder auf, kombinieren experimentelle Bestimmungen zu wunderschönen Gesängen, lassen Synthies in den Himmel steigen und reckeln sich dort lasziv in der umschwebenden Erotik. Natürlich lässt sich die Musik von Emil Thomsen (Produzent von Nils Frahm) und Marie Hojlund (ehemalige Tiger Tunes Sängerin) dabei nicht nur als Picture Disk Vinyl genießen, sondern wahlweise auch digital. Trotz des leicht stilistischen Wandels bleibt die Vertrautheit schlussendlich gegenüber ‚ The More ‚ bestehen. Auch das als grober Klotz wirkende ‚ The Difference ‚ ändert nichts an diesen Umständen und so wird man auch mit ‚ Amygdala ‚ seinen Spaß haben. Vielleicht mag die neue Platte bisweilen ein bisschen oberflächlich wirken – aber nie ohne dabei impulsive Reize zu setzen.